Informationskompetenz und die Versalzung von Werra und Weser

Fake News, Wissenschaftsklitterung und Gefälligkeitsgutachten: sie untergraben unsere Werte und erschüttern das Vertrauen in Institutionen, die eine Gesellschaft zusammenhalten (sollen). Der finnischen Regierung ist das Thema so wichtig, dass Informationskompetenz fächerübergreifend im Lehrplan der Schulen verankert ist.

Wissenschaftsklitterung (analog zur Geschichtsklitterung): der vorsätzliche Versuch, mit wissenschaftlich unlauteren Mitteln Wissenschaftlichkeit vorzutäuschen und/oder einen falschen Eindruck von Ergebnissen der Wissenschaft sowie deren Interpretation zu vermitteln.

„Da Demokratien weltweit durch den scheinbar unaufhaltbaren Ansturm von Desinformationen bedroht sind, nimmt Finnland das Thema sehr ernst und in den Schulunterricht auf. (..) Informationskompetenz ist fächerübergreifender Bestandteil eines Lehrplans.“ (1)

„So lernen (…) Schüler in Mathematik, wie leicht es ist, mit Statistiken zu lügen. Im Kunstunterricht erfahren sie, wie Bilder manipuliert werden. In Geschichte analysieren sie Propagandakampagnen und erfahren, wie Worte benutzt werden können, um zu verwirren und in die Irre zu führen. „Uns geht es um verantwortungsvolle Bürger und Wähler gleichermaßen, (…) die kritisch denken, Fakten deuten und sämtliche Informationen, die man – wo auch immer – erhält, hinterfragen.“

Sich Fake News zu widersetzen, wird in Finnland sogar als Frage der Zivilverteidigung betrachtet und ist deshalb eine Komponente des nationalen Sicherheitskonzepts. Bei der Abwehr von Fake News handele es sich „um eine koordinierte Anstrengung zur Bewusstseinsbildung, das ist so wichtig wie der Virenschutz auf Ihrem Computer. Zuerst ist dafür natürlich die Regierung zuständig, aber letztlich liegt es an jedem Einzelnen, die nötige geistige Software zu installieren.“, so Saara Jantunen aus dem Verteidigungsministerium, die zum Büro der Premierministerin abgeordnet wurde.

Das könnten wir in Deutschland auch gebrauchen. Am Beispiel der Versalzung von Werra und Weser durch die Abwässer der Kali-Industrie mussten wir mit ansehen, wie leicht sich deutsche Politiker verwirren lassen. Die Beantwortung wichtiger Fragen (2) haben sie gutgläubig und ausschließlich dem Verursacher der Schäden sowie deren Gutachtern überlassen.

Die Werra-Weser-Anrainerkonferenz hat seit 2008 die Aussagen zur Entsorgungspolitik der Kali-Industrie hinterfragt und sie ist dabei zu erstaunlichen Einsichten gekommen (3)(21). Wir konnten deshalb unsrere Erfahrungen an die Fridays for Future-Bewegung weitergeben (22)(25).

Endnoten

(1) Join Henley, „Wichtig wie Virenschutz. Finnland: Schon an den Grundschulen wird der Kampf gegen Fake News geführt.“, https://www.freitag.de/autoren/the-guardian/regel-nr-1-kein-wikipedia

(2) z.B.: Gibt es tatsächlich keine technischen Möglichkeiten, den Abstoß von salzhaltigen Abwässern der Kali-Industrie zu vermeiden? Hat sich der biologische Zustand der Werra tatsächlich „dynamisch verbessert“? Usw.

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