Greenwashing

Desinformation – Greenwashing, Alternative Fakten und Medienmanipulation Teil II

Vortrag, Klimastreik der Fridays4Future-Bewegung, Kassel 21.09.2019

von Walter Hölzel

Wer sich mit Umwelt- und Klimaschutz beschäftigt, muss sich mit wohlorganiserten Desinformationskampagnen auseinandersetzen. Die gute Nachricht: man kann deren Schwachstellen erkennen. Und: wer sich erwischen lässt, der ist insgesamt als unglaubwürdig einzustufen.

Greenwashing ist als Form der politischen Lüge seit Langem bekannt. Unternehmen können ein Interesse daran haben, ihre Umwelt- und Energiebilanz zu schönen, um ihren Ruf zu verbessern und ihre Kosten zu mindern. Politiker können versucht sein, die Unternehmen darin zu unterstützen, weil sie um Wählerstimmen und Wahlkampfspenden fürchten. Printmedien können sich überlegen, ob sie auf Anzeigenkunden verzichten wollen, die in (für ihr Umwelt-Image) kritischen Momenten doppelseitige Anzeigen schalten können. Minister schließlich können kein Interesse daran haben, dass über die (Nicht-)Einhaltung ihrer Wahlversprechen aufgeklärt wird, mit denen sie an ihr Mandat gekommen sind.

Bei der Durchsetzung der Atomkraft war der Aufwand für das Greenwashing immens, es ging geradezu um das Informations- und Meinungsmonopol. In den Methoden war man nicht zimperlich, das ging so weit, dass Kritiker der Atomenergie beruflich mit Schwierigkeiten zu kämpfen hatten. Ich habe selbst erlebt, dass an einer Universität selbst Bewerber um fachfremde Assistentenstellen zu ihrer Einstellung zur Atomenergie befragt und gegebenenfalls bekämpft wurden. Das Greenwashing der Energieindustrie und der Bundesregierung war schließlich erfolgreich darin, die Atomspaltung zur industriellen Energiegewinnung zu etablieren, deren Riskien zu verschleiern und die Kosten für den Ausstieg und Rückbau zu verschweigen. Die Risiken haben wir inzwischen kennen gelernt, über die Kosten besteht immer noch keine Klarheit.

Es gibt aber auch Beispiele, bei denen sich eine umweltbewusste und aufgeklärte Öffentlichkeit erfolgreich gegen das Greenwashing durchgesetzt hat. Ich will hier nur die Verklappung von Dünnsäure in die Nordsee (4) nennen (hier trat Greenpeace erstmals in Aktion), sowie das durch Luftschadstoffe verursachte (erste) Waldsterben (5) und das durch Fluorkohlenwasserstoffe bedingte „Ozonloch“ über der Antarktis (6).

Greenwashing ist prinzipiell der kritischen Überprüfung zugänglich. Wenn die Haltlosigkeit der vorgebrachten Argumente und Informationen einmal entlarvt und öffentlich ist, dann zeigt das Wirkung. Damit ist nicht gemeint, dass das Greenwashing sofort aufgegeben oder gar die grüngewaschenen Zustände geändert würden. Es ist aber doch möglich, mit der neuen und überprüften Faktenlage politisch in der Öffentlichkeit und in den zuständigen Gremien zu überzeugen. Manche Autoren finden jedoch, dass hier gerade ein Paradigmenwechsel stattfindet, weil sich die Qualität der politischen Lüge geändert habe. Das hätte möglicherweise weitreichende Konsequenzen und deshalb muss auch hierüber geredet werden.

Anmerkungen

  1. https://www.deutschlandfunk.de/wie-entsorgt-man-heute-duennsaeure.697.de.html?dram:article_id=77525
  2. https://de.wikipedia.org/wiki/Waldsterben
  3. https://de.wikipedia.org/wiki/Ozonloch

Teil III, Alternative Fakten… erscheint in Kürze