Die Methoden des Greenwashing

Desinformation – Greenwashing, Alternative Fakten und Medienmanipulation Teil IV

Vortrag, Klimastreik der Fridays4Future-Bewegung, Kassel 21.09.2019

von Walter Hölzel

Wer sich mit Umwelt- und Klimaschutz beschäftigt, muss sich mit wohlorganisierten Desinformationskampagnen auseinandersetzen. Die gute Nachricht: man kann deren Schwachstellen erkennen. Und: Wer sich erwischen lässt, ist insgesamt als unglaubwürdig einzustufen…

Wenn es ein öffentliches Interesse an Umwelt- und Klimaschutz gibt, dann kann es ein Anliegen der Industrie, der Politiker und der Verwaltungen sein, die Auswirkungen der eigenen Tätigkeit auf die Umwelt und das Klima möglichst positiv darzustellen. Von Greenwashing spricht man erst dann, wenn dabei getäuscht wird. Die Methoden sind vielfältig, sie reichen von einfachem Verschweigen über die Verwendung von Algorithmen oder technischen Maßnahmen zur Manipulation von Messeinrichtungen bis zu konkreten Maßnahmen gegen Kritiker. Diese Methoden sind häufig leicht festzustellen, manchmal lassen sich aber sogar Experten täuschen. Eine (vorläufige und unvollständige) Zusammenstellung:

  • Verschweigen von relevanten Tatsachen
  • z.B.: Durch Zufall erfährt die Öffentlichkeit, dass 2015 im thüringischen Teil des Werrareviers die Entnahme von Grundwasser untersagt wird, weil das Grundwasser dort hohe Mengen an Schwermetallen enthält. Der Vorsorgewert für Blei ist in Bereichen um den Faktor 1000 überschritten. Eine Nachfrage ergibt, dass dafür versickerte Haldenlaugen der K+S AG verantwortlich sind und dass die Schwermetallbelastung und deren Ursache schon seit mindestens 2011 bekannt ist.

Verschweigen ist natürlich die einfachste und häufigste Methode. Warum sollte man über etwas reden, das noch gar nicht bekannt ist? Man kann ja immer noch nachbessern, indem man …

  • falsche oder unvollständige Fakten und Halbwahrheiten verbreitet…
  • z.B.: Ein Unternehmen behauptet, dass es neuerdings weniger Produktionsbfälle in einen Fluss einleitet. Tatsächlich wird der Abstoß von Abfällen nicht verringert, vielmehr gelangt der „eingesparte“ Teil der Abfälle nun auf einem Umweg in den Fluss, etwa durch Abregnen von Abfallhalden. Man spricht dann nicht mehr von „Produktionsabfällen“, sondern von „Haldenlaugen“ und täuscht eine geringere Umweltbelastung vor.
  • z.B.: Ein Unternehmen verpresst flüssige Abfälle in den Untergrund und behauptet, die danach auftretende Versalzung von Trinkwasserbrunnen sei „natürlichen Ursprungs“. Tatsächlich verdrängen die in den Untergrund verpressten Abwässer dort von Natur her vorhandene und salzhaltige Formationswässer, die in die Trinkwasserhorizonte aufsteigen. Es ist aber nicht natürlich, dass die Formationswässer ihren natürlichen Platz verlassen.
  • z.B.: Ein Minister teilt mit, die Regierung werde im Rahmen des „Klimaschutzpakets“ die industrielle Herstellung des klimafreundlichen Wasserstoffgases vorantreiben. Tatsächlich ist die industrielle Herstellung von Wassewrstoff schon jetzt unproblematisch möglich, aber die für eine sichere Handhabung des Wasserstoffgases, etwa in PKW-Motoren, ist noch nicht vorhanden. Hier bestehen sogar grundsätzliche Schwierigkeiten.
  • erschwerter oder verweigerter Zugang zu Umweltinformationen
  • z.B.: Das Umweltinformationsgesetz UIG schreibt vor, dass Unternehmen und Verwaltungen umwelttrelevante Dokumente auf Verlangen herausgeben müssen. Man kann aber nur konkrete Dokumente verlangen, deren Existenz bereits bekannt ist. Auch deren Herausgabe wird häufig mit der Begründung verweigert, sie enthielten Firmengeheimnisse.
  • fehlende oder vorgetäuschte Wissenschaftlichkeit
  • z.B.: Ein Unternehmen wird dafür kritisiert, dass es die Investition in wirtschaftlich und technisch machbare Verfahren verweigert, mit denen eine „abstoßfreie Produktion“ ermöglicht und die Umweltbelastung drastisch reduzuiert werden kann. Das Unternehmen finanziert ein „Standardwerk“ über den Stand der Technik „im 21. Jahrhundert“, in dem die modernen Verfahren verschwiegen werden.
  • z.B.: Die Versalzung der Werra durch Abwässer der Kali-Industrie hat das Süßwasser-Ökosystem des Flusses vernichtet. Der Verursacher weigert sich, den Salzabstoß mit modernen Verfahren zu vermindern, weil diese Verfahren klimapolitisch nicht zu verantworten seien. Tatsächlich wird mehr Energie benötigt, wenn man die Abwässer aufbereitet – es werden aber auch mehr Wertstoffe erzeugt, für die man keine Rohsalze abbauen und aufbereiten muss. Es zeigt sich, dass der Energiebedarf pro Tonne Wertstoff sogar sinkt, wenn man auf den Abstoß von Salzen in die Werra verzichtet.
  • verfälschte oder unvollständige Zitate
  • z.B.: Ein Unternehmen wird dafür kritisiert, dass es wirtschaftlich und technisch machbare Verfahren verweigert, mit denen eine „abstoßfreie Produktion“ ermöglicht und die Umweltbelastung drastisch reduzuiert werden kann. Das Unternehmen weist die Kritik zurück und betont, eine „rückstandsfreie Produktion“ sei weltweit nicht möglich. Das ist zweifellos richtig, aber „abstoßfrei“ und „rückstandsfrei“ sind nicht identisch. Auch bei der abstoßfreien Produktion entstehen bislang nicht verwertbare Rückstände, diese werden aber so behandelt, dass sie nicht an die Umwelt abgestoßen werden müssen. Dies wird verschleiert.
  • unscharfe oder undefinierte Begriffe
  • z.B.: Eine Landtagsabgeordnete, deren Partei den Umweltminister stellt, verkündet 2008, man wolle erreichen, dass die Werra wieder „Süßwasserqualität“ erreiche. Der Vorstandsvorsitzende der K+S AG verkündet 2019, man wolle bis 2021 erreichen, dass die Werra „Süßwasserqualität“ habe. Die Umweltminister der Weser-Anrainerländer behaupten 2016, man habe erreicht, dass die Weser nach 2027 und unterhalb des Pegels Boffzen wieder „Süßwasserqualität“ erreiche. Der Begriff „Süßwasser“ scheint sehr beliebt zu sein, allerdings ist er nicht definiert, die Einhaltung der Zusagen ist somit nicht überprüfbar. Die EU-Wasserrahmenrichtlinie benutzt ihn deshalb nicht, sondern definiert verschiedene Qualitätsstufen in den Gewässern. Überprüfbare Qualitätsstufen als Umweltziele werden bei den Zusagen dagegen nicht erwähnt.

Teil V, Weitere Methoden des Greenwashing

erscheint in Kürze…