Fluten von Bergwerken – Billiger geht es nicht

Grube Springen, Einstapelbereich SW-Feld, 2. Sohle. Die gepunktete Linie kennzeichnet die Landesgrenze und damit auch die Grenze zwischen den Gruben Springen (Thüringen) und Hattorf/Wintershall (Hessen). Der (auf dieser Darstellung noch(!)) unverritzte Bereich beiderseits der Grenze ist der Markscheide-Sicherheitspfeiler. Magentafarben eingegrenzt sehen Sie den Stapelbereich auf der 2. Sohle. Sie können erkennen, dass die eingestapelten Abwässer fast auf dem gesamten Umfang des Stapelbereichs den Sicherheitspfeiler fluten werden. Die wesentlich schwächeren Stützpfeiler im Stapelbereich sind durch die Abwässer besonders gefährdet. Wenn es dort zu einem Bergsturz kommt, dann wird auch der bereits geschwächte Sicherheitspfeiler nicht standhalten können. Oben rechts (auf der ersten Sohle) befindet sich die seit 1969 aktive Laugeneintrittstelle Querort 23. Sie ist von Abbau umgeben. In der Grube Hattorf/Wintershall lagert die K+S AG bergbaufremde Industrieabfälle ein. Dort befindet sich auch die (tiefer gelegene) weltweit größte Untertagedeponie für Besonders überwachungsbedürftige Abfälle.

Folge III der Serie Der Fall Hinz

Stillgelegte Bergwerke sind nichts anderes als große Löcher im Untergrund und es ist deshalb kein Wunder, wenn jemand auf die Idee kommt, diese Löcher mit den Abwässern zu fluten: Billiger kann man seine Abwässer kaum loswerden.

In aufgelassenen Bergwerken, in denen der steile Abbau praktiziert worden ist, mag das möglich sein. Dort gibt es keine Stützpfeiler, die durch ein wässriges Medium geschwächt werden könnten. Ganz anders liegen die Dinge im horizontalen Abbau, wie er im Werrarevier überwiegend betrieben wird. Sind die Salz-Stützfeiler zu schwach (geworden), dann können sie den Bergdruck nicht mehr aufnehmen. Die Folge sind Streckenstürze, die sich bis an die Erdoberfläche fortsetzen können. Wenn die eingestürzten Strecken wassergefüllt sind, dann presst der Bergdruck das Wasser in andere Bereiche des Bergwerks oder nach übertage. Wenn es dann noch durchgängige Verbindungen zu Untertagedeponien gibt, dann drohen Umweltkatastrophen, die nicht zu verantworten wären.

Dienen vorgegtäuschte Gewässerschutzmaßnahmen zur Vorbereitung der Flutung?

Wir haben im letzten Blogpost gesehen, dass die K+S AG zahlreiche Modernisierungsmaßnahmen sowie Maßnahmen zum Gewässerschutz durchgeführt haben will. Auffallend ist, dass mit diesen Maßnahmen keines der angekündigten Ziele erreicht werden konnte. Das liegt vor allem daran, dass K+S eine Maßnahme immer vermieden hat: die Reduzierung des Salzabstoßes durch geeignete technische Verfahren, wie sie z.B. die K-UTEC AG vorgeschlagen hat.

Wenn man dem Unternehmen nicht unterstellen will, dass es technisch unfähig ist, ein Bergwerk zu betreiben, dann muss man annehmen, dass mit diesen vorgetäuschten Aktivitäten nur Zeit gewonnen werden sollte.

Inzwischen stellt auch die K+S AG das (gescheiterte!) Maßnahmenprogramm in einen Zusammenhang mit dem Versuch, die Grube Springen zur Flutung ihrer Produktionsabwässer zu nutzen:

Nachdem K+S andere Bestandteile des Maßnahmenprogramms „Salzreduzierung“, zum Beispiel den Bau der KKF-Anlage, inzwischen abgeschlossen hat, war für die Einstapelung zunächst ein Großforschungsprojekt erforderlich, um Realisierbarkeit
und Sicherheitsaspekte des Verfahrens von Fachleuten eingehend prüfen zu lassen und geeignete Bereiche zu finden. Dabei hat sich das zum ehemaligen Bergwerk Merkers gehörende Grubenfeld Springen unter Berücksichtigung aller Umstände als am besten geeignet erwiesen.“

Presseinformation der K+S AG „Entlastung der Umwelt und Zukunftssicherung für die Region“, 12. Dezember 2019

Die Flutung von Bergwerken mit Abwässern wurde lange vorbereitet

In den Jahre 2005 bis 2007 wurde als „Verfahren zur Umsetzung der Wasserrahmenrichtlinie“ das so genannte „Pilotprojekt Werra/Salzabwasser“ durchgeführt. Damals wurden zahlreiche Maßnahmen zur Reduzierung des Salzabstoßes im Werrarevier diskutiert und bewertet. Dazu gehörte auch die Möglichkeit, die Abwässer in Bergwerken zu verklappen. Damals wurde der Vorschlag aus Sicherheitsbedenken abgelehnt, insbesondere unter Bezug zur Untertagedeponie Herfa-Neurode:

Ziel: · Entlastung der WerraBeschreibung: Grundsätzlich ist eine Flutung vorhandener Grubenbaue möglich. Dies kann aber erst nach Beendigung der aktiven Bergbauphase umgesetzt werden. Bei laufendem Bergbaubetrieb ist zum einen das Sicherheitsrisiko für die unter Tage Beschäftigten zu groß, da die einzelnen Bereiche nicht bzw. nur unter großem Aufwand abzutrennen sind, da das derzeitige Abbaugebiet tiefer liegt. Zum anderen kann die damit einhergehende Erhöhung der Luftfeuchtigkeit im Grubengebäude die Anwendung des ESTA-Verfahrens in Hattorf und Wintershall negativ beeinflussen (siehe hierzu auch die Maßnahme 1.1.1 Versatz).

Wenn in der Nachbergbauphase eine Flutung vorgenommen werden sollte, besteht die Gefahr, dass es zu Gebirgsschlägen kommt. Deshalb wären entsprechende Untersuchungen in Bezug auf die Standsicherheit der Pfeiler und damit der Grubengebäude Voraussetzung, um mögliche Schäden in diesem Bereich auszuschließen. Ebenso würde durch Flutung der Grubenbaue die Untertagedeponie Herfa-Neurode gefährdet, da der Nachweis der Langzeitsicherheit der Deponie auf trockene Verwahrung beruht. (…)

Fazit: Eine Flutung des Bergwerkes ist aufgrund der Untertagedeponie Herfa-Neurode gefährlich und rechtlich nicht genehmigungsfähig.“

Pilotprojekt Werra-Salzabwasser, Abschlussbericht Januar 2007, S. 65, 4.1.3.2 Maßnahme 1.3.2 Deponierung des Salzabwassers untertage. (Unterstreichungen durch den Autor)

Anrainerkommunen sind alarmiert: Wird die Flutung der Gruben in Thüringen vorbereitet?

Deshalb waren die Anrainerkommunen alarmiert, als K+S 2008 den Antrag stellte, den Abschlussbetriebsplan für die Verwahrung des Schachtes Alexandershall zu ändern. Statt des bisher für die Verfüllung vorgesehenen Kalkgesteins sollte jetzt Basaltschotter verwendet werden. Einer der damaligen Verwaltungsleiter schrieb im Anhörungsverfahren:

Zur Zeit werden ca. 14 Schächte in Thüringen langzeitsicher verschlossen. Dafür sind entsprechende Betriebspläne beim Bergamt Bad Salzungen von K&S beantragt worden. Für die Verfüllung der Schächte werden statt normalen Material (Kies, Buntsandstein, Kalkschotter etc.) mit Basaltschotter verschlossen. Nur Basaltschotter ist gegen Laugen unempfindlich! Der Preis für diesen Schotter ist um ein vielfaches höher! (…)“

Für folgende Gruben wurde der Verschluß beantragt: Schächte Abteroda, Alexandershall, Dietlas, Merkers 1, Springen 1 und 3, Dietlas. Alle diese Gruben sind untereinander verbunden teilweise direkt und nicht nur über Fahrstrecken! (…)“

Ab Alexandershall reicht das natürliche Gefälle um die Lauge in die tieferen Sohlen laufen zu lassen ( 1. Sohle Alexandershall ca. 300m über Abteroda bis Springen Sohle ca. 700m, Merkers je nach Feld bis 1000m). (…)“

Leider sehe ich hier die Gefahr durch die Zunahme des hydraulischen Drucks des Deckgebirges (Setzungen sind sehr wahrscheinlich und finden teilweise schon sehr deutlich statt), dass evt. die Lauge noch in aktive Bergwerke gedrückt wird. Zum anderen stellt sich die Frage nach der Lösungsgeschwindigkeit durch die gesättigten Laugen (Prinzip das unterschiedliche Salzzusammensetzungen zwischen gesättigter Lauge und umgebenden Steinsalz zur Fällung eines Salzes aus der Lauge und Lösung eines Salzes im Steinsalzes erfolgt) zu Bergschlägen führen kann. (…)“

Bei Gebirgsschlägen ist die Entfernung nach Herfa‐Neurode so gering, dass (wie in Asse II) die Lauge die eingelagerten Giftmüllmengen auflösen könnte. Das würde durch die weltweitgrößte Deponie auch zur Weltweit größten Umweltkatastrophe mutieren!!! Ist K&S erst mal mit der Ausbeutung im Werragebiet am Ende, wird die Verantwortung der Halden und der folgenden Gebirgsschläge dem Staat übereignet.“

Dem muss nichts hizugefügt werden.

Da kann K+S aber froh sein!

Eine Fehlinvestition war die kostenträchtige Vorbereitung der Gruben aber nicht: zehn Jahre später, Jahre 2019, hat die K+S AG dann beantragt, einen Teil ihrer Abwässer im Südwestfeld der Grube Springen einstapeln zu dürfen:

Nachdem K+S andere Bestandteile des Maßnahmenprogramms „Salzreduzierung“, zum Beispiel den Bau der KKF-Anlage, inzwischen abgeschlossen hat, war für die Einstapelung zunächst ein Großforschungsprojekt erforderlich, um Realisierbarkeit
und Sicherheitsaspekte des Verfahrens von Fachleuten eingehend prüfen zu lassen und geeignete Bereiche zu finden. Dabei hat sich das zum ehemaligen Bergwerk Merkers gehörende Grubenfeld Springen unter Berücksichtigung aller Umstände als am besten geeignet erwiesen.“

Presseinformation der K+S AG „Entlastung der Umwelt und Zukunftssicherung für die Region“, 12. Dezember 2019

Dieser Antrag ist hoch umstritten. In Thüringen bereits genehmigt, hat die hessische Genehmigungsbehörde jedoch ihr Einverständnis wegen Sicherheitsbedenken und unzureichender Antragsunterlagen verweigert. Möglicherweise erleben wir hier ein zweites Mal, dass die hessische Umweltministerin sich über Gutachten hinwegsetzt. Wir kommen darauf zurück.

Auf hessischem Gebiet ist die Flutung bereits als „Zwischenlösung“ genehmigt

Das Unternehmen hat in 700 Metern Tiefe einen riesigen Speicher für Salzabwässer angelegt. 400 000 Kubikmeter Flüssigkeit passen in einen nicht mehr genutzten Teil der Grube. Nun hat das Land Hessen grünes Licht gegeben für die sogenannte temporäre Einstapelung – einen Entsorgungsweg, mit dem K+S langfristig die Zukunft des hessisch-thüringischen Kalireviers sichern will. (…)“

„Dass wir bei anhaltender Trockenheit einen längeren Stillstand haben werden, der uns im letzten Jahr 110 Millionen Euro gekostet hat, können wir mit großer Wahrscheinlichkeit ausschließen», sagt K+S-Vorstand Burkhard Lohr. (…)“

Selbst der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) sieht den Weg zur Einstapelung positiv: «Der BUND ist froh, wenn die heutige Entscheidung den Einstieg in den Ausstieg der unseligen Oberweser-Pipeline bedeutet», sagt Naturschutzreferent Thomas Norgall.

Frankfurter Rundschau, 13.08.2019, https://www.fr.de/rhein-main/alte-grube-abwasserspeicher-12911147.html

Der Standpunkt des BUND war allerdings nur schwer nachzuvollziehen. Er hatte am so genannten „Runden Tisch Werraversalzung“ noch die „Nordseepipeline“ und damit die Verschiebung des Entsorgungsproblems an das Wattenmeer befürwortet. Wenn nun statt der „Oberweserpipeline“ die hoch riskante Flutung der Grube Springen droht, dann ist das für uns kein Grund, froh zu sein.

In Kürze lesen Sie hier den vierten Teil der Serie „Der Fall Hinz“ Einstapeln von Abwässern in die Grube Springen – Das Regierungspräsidium Kassel verweigert das Einverständnis

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