Grönlandeis für Gerstungen

Grönland will gegen den Anstieg des Meeresspiegels vorgehen und sein Gletscherwasser verkaufen, teilte Vittus Qujaukitsoq, Minister of Finance, Mineral Resources, Climate and Water in Cubes mit. Man habe einen langfristigen Liefervertrag mit dem Kali- und Salz-Produzenten K+S geschlossen (1).

Experten der K+S AG prüfen die Qualität des Grönlandeises

von Walter Hölzel

Das Gletschereis soll zunächst bergmännisch abgebaut und an an mehr als einem Dutzend „hot points“ mit Geoenergie aufgeschmolzen werden. „Damit endet unsere Leistung“ liess der Minister vernehmen. K+S werde für das Gletscherwasser eine Unterwasserpipeline nach Wilhelmshaven bauen („Atlantikstream 3.0“) und von dort weiter verteilen.

Der K+S-Sprecher Titus Morgenthau bestätigte den Kauf. „Wir haben schon 2017 eine Vereinbarung mit der Gemeinde getroffen und werden dort die Trinkwasserversorgung sicherstellen. Wir sind zwar nicht verantwortlich dafür, dass die Gemeinde Gerstungen ihr Trinkwasser so schnell aufgetrunken hat. Wir spüren aber große Sympathie für Unsere Gemeinden im Werratal. Als Gegenleistung hat Gerstungen zugesagt, nicht mehr schlecht über Uns zu reden. Unsere Experten prüfen gerade, an welchen Wochentagen Wir Gerstungen mit frischem Gletscherwasser beliefern können. Wir ernähren die Welt und verbinden wieder einmal Ökonomie und Ökologie zu einem Ganz Großen Ganzen.“

Vom Bau einer Atlantikpipeline will K+S aber nichts wissen. „Da hört sich doch alles auf! Wenn Gerstungen Wasser will, dann muss Gerstungen sich das Wasser holen. Für die eigene Infrastruktur muss die Gemeinde schon selbst sorgen“, stellt Morgenthau klar.

Synergie-Effekte

Eine Pipeline ist eine lange Stange, die innen hohl ist. Sie eignet sich hervorragend, um Flüssigkeiten aller Art zu transportieren. Dies ist eine Technologie, die K+S beherrscht! (Pixabay)

Der BUND-Experte Jan Karl Thyssen zeigte sich begeistert. „Mit der von mir entwickelten tube-in-tube-Technologie lassen sich weitere Potenziale schöpfen. Das innen liegende Rohr kann das Gletscherwasser aus Grönland aufnehmen, während in dem umhüllenden Rohr das Abwasser der K+S AG aus dem Werratal nach Grönland geleitet wird. Dort ist das Meerwasser durch Schmelzwasser aus den tauenden Gletschern ohnehin bis an die Grenze des für Dorsche Erträglichen verdünnt. Grönland wird gerne bereit sein, die Aufkonzentrierung des Meerwassers zum Schutz der heimischen Fischbestände angemessen zu honorieren!“

„Mehr noch,“ so Thyssen weiter, „die Pipeline hat bis Grönland ein Gefälle von mehr als 150 Meter. Mit der Strömungsenergie lässt sich über Turbinen elektrischer Strom gewinnen und für den Betrieb von Windparks nutzen. Es weht nicht überall Wind, aber alle wollen die lustigen Räder! Dabei reden wir noch nicht davon, dass die Nordseepipeline weitere Abwässer aus ganz Deutschland aufnehmen könnte.“

Diplomatische Verstimmung

Sicherung der Rohstoffe (Pixabay)

In den USA hat der Deal Verärgerung ausgelöst. Donald Trump, der im August 2019 das Grönland-Wasser noch selbst kaufen wollte, lies ein verbittertes Twitter-Gewitter los:

#watergate pic.twitter.com/pTe2St=7f8, Congratulations! I don’t like this water, it stinks. The water from greenland ist brown and stinky, my wife Melania told me. Because of icebears peeing around in this country. So poor! Donald J. Trump (@realstablegenius) March 31, 2020

Hintergrund

Durch den Klimawandel schmelzen die Gletscher immer schneller. Jetzt hat eine neue Studie herausgefunden, dass Grönland jedes Jahr 272 Milliarden Tonnen Eis verliert.

Der größte Teil von Grönland liegt unter einer dicken Eisdecke begraben. Diese Eisdecke heißt Grönländisches Eisschild. Schon seit vielen Jahren schmilzt dieser Eisschild. Das liegt am Klimawandel. Das heißt vor allem,.dass es in den untersten Luftschichten der Atmosphäre immer wärmer wird. Und durch die höheren Lufttemperaturen schmilzt das Eis.Die neue Studie zeigt nun, dass die Eisberge in Grönland schneller schmelzen als bislang angenommen. Ein Team von Forscherinnen und Forschern aus vielen Ländern der Welt hat entdeckt, dass Grönland in jedem Jahr 272 Milliarden Tonnen Eis verliert. Vor der neuen Studie war man von einer kleineren Zahl ausgegangen. Ältere Berechnungen lagen nur bei 253 Milliarden Tonnen Eis pro Jahr. “

Wie haben die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler das herausgefunden? Sie haben ermittelt, wie stark sich die Erdkruste unter dem Eisschild anhebt. Dadurch konnten sie die Dicke des Eisschildes genauer bestimmen. Aus diesen Daten ergibt sich die neue Zahl von 272 Milliarden Tonnen Eis, die in Grönland jedes Jahr wegschmelzen. (2)

Endnoten

(1) https://www.zeit.de/wissen/umwelt/2020-02/wassermangel-groenland-schmelzwasser-klimawandel-verkauf

(2) https://www.bmu-kids.de/aktiv/aktuelles/wissen-in-zahlen/zahl/272-milliarden-tonnen-eis-verliert-groenland-im-jahr/