Keine Kaliförderung in Roßleben?
Damit hat alles angefangen: 2008 hat der Salz- und Bergwerksspezialist K-UTEC aus Sondershausen ein Konzept für die Wiedereröffnung des Reservebergwerks Roßleben vorgelegt. Das Besondere: Salzhalden und die Versalzung des Grundwassers und der Flüsse mit Produktionsabfällen sind nicht Teil des Konzepts, denn das Bergwerk sollte abstoßfrei arbeiten. Die Stadt Roßleben konnte sich auf einen Innovationsschub und auf 700 neue Arbeitsplätze im Bergbau freuen.
von Walter Hölzel
Die Verwirklichung dieser Pläne wären ein herber Schlag für die K+S Kali GmbH gewesen, die immer behauptet hatte, dass Kalibergbau ohne die bekannten katastrophalen Umweltschäden nicht möglich sei. Auch die Anrainer von Werra und Weser konnten jetzt hoffen, und schon 2014 ist der WWA der Nachweis gelungen, dass auch mit den Rohsalzen des Werrareviers eine abstoßfreie Produktion möglich ist.
Leider hatte man in Roßleben die Rechnung ohne den Wirt gemacht. Das Reservebergwerk wird nämlich vom Bundesfinanzministerium verwaltet, genauer gesagt von dessen Tochter, der Gesellschaft zur Verwahrung und Verwertung von stillgelegten Bergwerksbetrieben mbH GVV (jetzt: Lausitzer und Mitteldeutsche Bergbau-Verwaltungsgesellschaft LMBV). Sie entscheidet, ob auch in Mitteldeutschland wieder Kalibergbau betrieben wird und wer das tun darf.
Eine ganz besondere „Ostförderung“
Zweifel waren angebracht, denn man munkelte, dass der Bund und der Freistaat Thüringen in dem so genannten und streng geheimen „Kalifusionsvertrag“ dem hessischen Unternehmen K+S das Zugeständnis gemacht hatten, in Mitteldeutschland keine Konkurrenz für K+S entstehen zu lassen.
Tatsächlich schien die GVV wenig Interesse an neuen Arbeitsplätzen in Roßleben zu haben. 2008 wurde ein Bieterverfahren eröffnet, sieben Interessenten wollten die Grube Roßleben kaufen. Darunter waren das Floret-Konsortium mit dem israelischen Bergwerksunternehmen ICL und der K-UTEC AG sowie die K+S AG selbst. Für das Unternehmen aus Kassel schienen die Chancen allerdings schlecht zu stehen, denn das K+S-Betriebskonzept sah keine abstoßfreie Produktion vor. Im August 2010 hat die GVV das Bieterverfahren wieder unterbrochen, angeblich, weil die gebotenen Preise zu niedrig waren.
Nach dem Neustart des Bieterverfahrens im Mai 2011 kam das engültige Aus im Dezember 2013. „Preisverfall verhindert Verkauf der Grube Roßleben“ titelte der MDR. Wieder waren der GVV die gebotenen Preise zu niedrig. Kurz zuvor allerdings hatte die GVV den Wert der Lagerstätte selbst im Wert gemindert, denn sie hatte dem Bau einer ICE-Trasse über das Abbaugebiet zugestimmt. Nicht unerhebliche Teile des Vorkommens können nun nicht mehr abgebaut werden:

Die Entscheidung der GVV musste bei K+S große Erleichterung ausgelöst haben, denn nun schien die Gefahr gebannt, einen Konkurrenten im eigenen Land zu haben und ein Vorzeigeobjekt nach dem Stand der Technik und mit abstoßfreier Kaliproduktion erklären zu müssen. Zeitgleich waren nämlich am so genannten „Runden Tisch“ dessen „wissenschaftliche Begleitung“ und Gutachter der K+S AG bemüht, die Erkenntnisse zum Stand der Technik in der Kali-Industrie unter den großen Teppich zu kehren. Dies endete erst 2014 mit einer Blamage für die Beteiligten.
Die Kalivorkommen der Grube Roßleben sind aber weiterhin begehrt. 2018 hat ein australischer Projektentwickler sein Interesse am Kauf der Grube Roßleben angemeldet. Jedoch: „Der entscheidende Akteur spielt noch immer nicht mit, deshalb kann ein erneuter Kalibergbau im Raum Roßleben nicht realisiert werden.“ schreibt die Thüringer Allgemeine am 26. Februar 2019.
Der „entscheidende Akteur“ ist, wieder einmal, die LMBV und damit das Bundesfinanzministerium. Ein Sprecher gibt sich gegenüber der Thüringer Allgemeine einsilbig („Dazu kann die LMBV keine Aussage treffen.“), andererseits geht die LMBV aber „nur von verhaltenen Nachfragen an den Kali-Standardprodukten am Weltmarkt aus“. Die Chancen für den Kaliabbau in Roßleben scheinen immer noch schlecht zu sein.
Das sieht der Vorstandsvorsitzende der K-UTEC AG in einem Interview mit der Thüringer Allgemeine ganz anders: „Nicht ohne Grund hat man sich bei Schließung des Bergwerkes 1991 dazu entschlossen, dieses als Reservebergwerk zu erhalten“, sagt Heiner Marx . Das Roßlebener Salz sei wegen seines Kaliumsulfat- und Magnesiumsulfatgehaltes besonders interessant für die Düngemittelherstellung. „Wirtschaftlich wäre es zweifellos ein Gewinn für die Region. Ich gehe sogar von 400 bis 500 direkten Arbeitsplätzen und multipliziert mit dem Faktor 2,5 indirekten Arbeitsplätzen aus.“ Das Bergwerk sei politisch gewollt und könne nach seiner Einschätzung innerhalb von fünf bis sechs Jahren wieder eröffnet werden.
2030 Schicht im Schacht an der Werra?
Das Zögern des Finanzministeriums irritiert erneut. Ob man immer noch Rücksicht auf K+S nehmen will? Eine Bemerkung lässt jedenfalls aufhorchen:
„Da spätestens 2030 die Lagerstätten an der Werra erschöpft sind, wäre es sinnvoll, nun mit Planungen für Roßleben zu beginnen“, so Marx . Qualitativ stünden die Nordthüringer Kalisalze denen von der Werra in Nichts nach.
Das ist nun tatsächlich eine Neuigkeit. Bislang konnte man den K+S-Äusserungen entnehmen, dass die Kaliförderung an der Werra erst 2040 bis 2050 eingestellt werden soll. Eine frühere Betriebsaufgabe könnte erklären, warum K+S nicht mehr in wirkungsvolle Aufbereitungsanlagen investieren will. Sie erklärt andererseits aber nicht, warum K+S noch 2018 eine „Aufbereitungsanlage“ für Produktionsabwässer fertiggestellt hat, die so unwirksam ist, dass man jetzt eine Aufbereitungsanlage für die Abwässer der Aufbereitungsanlage plant. Ihr nagelneues „Eigengewächs“, die „KKF-Anlage“, konnte nämlich nicht verhindern, dass auch 2018 wieder die Produktion eingeschränkt werden musste.