Aktuell: Priska Hinz kommt in die Bäche

Fünf Jahre nach Ablauf der Umsetzungsphase der EU-Wasserrahmenrichtlinie will Hessen nun „zahlreiche Gewässer aus ihrem Betonbett befreien“

So umreisst die hessische Umweltministerin das Ziel des Programms „100 wilde Bäche“. Es entstünden damit „bald wieder naturnahe Lebensräume für viele verschiedene Arten im Wasser und am Ufer“ (1).

Auffallend ist, dass die Ministerin sich bei der Beschreibung der angestrebten Ziele nicht auf die definierten und überprüfbaren Kategorien der EU-Wasserrahmenrichtlinie (z.B. „guter chemischer und ökologischer Zustand“) bezieht, sondern undefiniert und nebulös bleibt. Undefinierte „naturnahe Lebensräume“ reichen nicht aus, um die Qualitätsziele der Richtlinie zu erreichen. Darauf käme es aber an.

Damit ist die Ministerin ebenso unverbindlich wie bei der „Süßwasserqualität“, die sie angeblich in der Werra erreichen will (2). Tatsächlich soll der Fluss weit über das Jahr 2075 als Abwasserinne der Kali-Industrie dienen, die Qualitätsziele der EU-Wasserrahmenrichtlinie sollen nicht erreicht werden.

Das lässt nichts Gutes ahnen für die ausgesuchten „100 wilden Bäche“.

Die Linke im Hessichen Landtag weist in einer Presseerklärung darauf hin, dass „nach 19 Jahren Umsetzung der EU-Wasserrahmenrichtlinie (…) nur knapp 15% der Gewässer in Hessen den guten oder sehr guten ökologischen Zustand“ erreicht haben.

Das würde bedeuten, dass In 85% der hessischen Gewässer die Richtlinie weder frist- noch zielgerecht umgesetzt worden ist. (3).

Fußnoten

(1) https://www.hessen.de/presse/pressemitteilung/grosses-interesse-am-programm-100-wilde-baeche-0

(2) W.Hölzel/WWA, Die Werra trägt Schwarz – Die hessische Umweltministerin lobt sich selbst und ignoriert die Umweltkatastrophe an Werra und Weser, 18.11.2019, https://salzblog.org/2019/11/18/die-hessische-umweltministerin-lobt-sich-selbst-und-vergisst-die-werra/

(3) https://www.umweltbundesamt.de/sites/default/files/medien/365/dokumente/steckbrief_flussgebietseinheit_weser.pdf

Nach uns die Sintflut. Hinhaltende Maßnahmen – Der „Runde Tisch“ und Co.

Nachhaltigkeit im Kalibergbau als Frage der Generationengerechtigkeit, Teil III

von Walter Hölzel

Hinhalten und täuschen

In diesem Zusammenhang können wir leider nicht verschweigen, dass im Umsetzungsprozess der EU-Wasserrahmenrichtlinie die gebotene Verbesserung der Gewässerqualität durch hinhaltende und täuschende Maßnahmen und Manöver ersetzt worden ist. Damit wir uns nicht missverstehen: wir wollen der K+S AG nicht pauschal unterstellen, die Öffentlichkeit über Jahrzehnte getäuscht und hingehalten zu haben. Das Unternehmen hat sich sogar gegen einzelne dieser Manöver (z.B. die Fiktion einer „Nordseepipeline“) gewehrt.

Aber letzten Endes scheinen die drei verantwortlichen Akteure mit dem vorläufigen Ergebnis zufrieden zu sein: das Unternehmen K+S als Nutznießerin, der Regierungspräsident Kassel als Genehmigungsbehörde und das Hessische Umweltministerium, das die politische Verantwortung dafür trägt, dass eine bessere Qualität von Werra und Weser Sinne der EU-WRRL auch in weiter Zukunft nicht nicht ermöglicht werden soll.

Wir können aber auch nicht darüber hinwegsehen, dass K+S die Tatsachen und Probleme nicht selten geleugnet hat:

„Dr. Martin Eichholtz: Tatsache ist, dass die Werra spürbar gesünder geworden ist. Großen Anteil daran haben unsere aufwändigen Maßnahmen, die Salzeinleitungen zu verringern: Während zu DDR-Zeiten bis zu 40.000 mg/l Chlorid am Pegel Gerstungen gemessen wurden, gelingt es uns seit dem Jahr 2000, den Grenzwert von 2.500 mg/l
einzuhalten. Deshalb ist die Werra heute wieder Lebensraum für zahlreiche Fisch- und Vogelarten sowie für ein breites Spektrum an Kleinlebewesen. Dieser Erholungsprozess setzt sich weiter fort.“
(1)

Diese Aussagen sind inzwischen umfänglich widerlegt. Die Werra ist nicht „spürbar gesünder geworden“, vielmehr ist die Süßwasser-Lebensgemeinschaft im Fluss vernichtet. Die Werra ist nach wie vor in chemischer und ökologischer Hinsicht in den schlechtesten Zustand eingestuft, den die EU-WRRL definiert. Die Aussagen demonstrieren aber, mit welchem Ausmaß an Desinformation wir uns auseinandersetzen mussten. Darüber wollen wir jetzt reden.

Der „Sogenannte Runde Tisch“ – Die vorgetäuschte Lösung der falschen Probleme …

„Nach uns die Sintflut. Hinhaltende Maßnahmen – Der „Runde Tisch“ und Co.“ weiterlesen

Nach uns die Sintflut – Vom Lachsgewässer zum Abwasserkanal der Kali-Industrie

Nachhaltigkeit im Kalibergbau als Frage der Generationengerechtigkeit, Teil II

von Walter Hölzel

„Die Werra ist ein fisch- und schiffreicher Fluss in Teutschland“. Mit diesen Worten beschreibt das sechsbändige „Historisch und Geographische Allgemeine Lexikon“ aus dem Jahre 1742 die Werra. „Es heget der Fluss fast alle Gattungen von Fischen in sich“, heißt es auch noch 1789 (1). Was danach geschah, ist ein Sklandal erster Güte: unter den Augen der Behörden wird aus einem Lachsgewässer ein Abwasserkanal der Kali-Industrie. Der Skandal dauert an – die seit 2000 geltende EU-Wasserrahmenrichtlinie soll die europäischen Gewässer schützen, aber tatsächlich wird sie auf Werra und Weser nicht angewendet. Die EU-Kommission hat sich offenbar deutschen Wirtschaftsinteressen untergeordnet und scheint bei der Durchsetzung europäischen Rechts zu versagen.

Immer noch Krieg an der Werra …

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Nach uns die Sintflut – Trinkwasser, Blei, Umwelthormone, die EU-Kommission und die Abwässer der K+S AG

Nachhaltigkeit im Kalibergbau als Frage der Generationengerechtigkeit, Teil I

von Walter Hölzel

Von Nachhaltigkeit spricht man, wenn einem System nicht mehr Ressourcen entnommen werden, als dort auf natürliche Weise wieder nachwachsen. Das geläufige Beispiel ist die Forstwirtschaft, wo der Begriff der Nachhaltigkeit entwickelt worden ist. Diese Art von Nachhaltigkeit ist im Kalibergbau naturgemäß nicht möglich.

Entscheidend ist, wie man das System definiert, dessen Nachhaltigkeit man beurteilen möchte. So kann es für ein Wirtschaftsunternehmen – kurzfristig und isoliert betrachtet – durchaus „nachhaltig“ erscheinen, eine Lagerstätte mit ineffektiven Methoden und unter Energieverschwendung auszubeuten und dabei Ewigkeitslasten und Umweltschäden zu hinterlassen. So könnte sich ein Unternehmen die Möglichkeit verschaffen, „neue“ Ressourcen zu erschließen, mit denen es sein Geschäftsmodell an anderer Stelle fortsetzen kann. „Nachhaltigkeit“ bezieht sich dann auf kurzfristige Gewinnmaximierung. Die Unternehmen hüten sich jedoch, dies in ihren Nachhaltigkeitsberichten zum Ausdruck zu bringen.

Wenn man aber die Verantwortlichkeit weiter fasst …

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Der Kalimarkt verändert sich

Die weltweite Überproduktion an Kalidünger und die neu entdeckte Kaliressource in Thüringen – was wird aus K+S?

Aktualisiert 31.12.2019

von Walter Hölzel

In den Jahren 2007/2008 konnten die Erzeuger von Kalidüngemitteln stark steigende Kalipreise am Markt durchsetzen. Die Abnehmerländer reagierten mit Kaufboykotten bis hin zu Importstops und der Erschließung eigener Vorkommen. Die daraus folgende Überproduktion an Kalidünger führte ab 2015 zu einer Krise auf dem Kalimarkt. Immer wieder müssen Kaliproduzenten ihre Produktion drosseln und Umsatzeinbußen sowie schlechtere betriebswirtschaftliche Kennzahlen hinnehmen.

Auch in Thüringen, nicht sehr weit entfernt von den K+S-Kaligruben im Werratal, befinden sich noch unerschlossene Kalivorkommen. Die Davenport Resources Ltd. gibt bekannt, im Ohmgebirge einen Kalivorrat von 325 Mio. Tonnen mit einem Gehalt von 13,1 % K2O festgestellt zu haben. „Dieser Vorrat befindet sich in dem zu 100 % in Unternehmensbesitz befindlichen Bergwerkseigentum Ohmgebirge in der Südharz-Region„. Nach Unternehmensangaben können dort jährlich 1 Mio. Tonnen K2O produziert werden. Zum Vergleich: die Weltjahresproduktion beträgt etwa 40 Mio. Tonnen K2O.

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Aktuell: Tote Rinder im Dankmarshäuser Rhäden – verhungert oder an Salzwasser gestorben?

Im Naturschutzgebiet „Wilde Weide“ in der Werraaue bei Dankmarshausen (Thüringen) sind verendete Heckrinder aus einer Herde aufgefunden worden, die dort aus Naturschutzgründen extensiv gehalten wird. Dem betreibenden Landwirt wird vorgeworfen, er habe die Tiere verhungern lassen. Die Herde sei zu stark angewachsen und die Nahrungsgrundlage auf der Weidefläche sei nicht mehr ausreichend (1), (2). Dem steht entgegen, dass ein starkes Anwachsen der Herde bei Nahrungsmangel kaum zu erwarten ist. Die dort ebenfalls extensiv gehaltene Herde Exmoore-Ponys ist offenbar nicht betroffen. Ungeprüft scheint zu sein, ob die Rinder durch zu Tage getretenes salzhaltiges Grundwasser zu Schaden gekommen sind.

von Walter Hölzel

Versenkbohrung der K+S AG Herda 11

Das Grundwasser des Kalireviers ist stark mit Salz belastet.

Es ist bekannt, dass das Grundwasser im Werrarevier stark mit Salz belastet ist. Als Gründe werden verpresste Abwässer der K+S AG sowie versickernde Haldenlaugen desselben Unternehmens genannt. 2008 bis 2016 waren versalzene Trinkwasserbrunnen der Gemeinde Gerstungen Gegenstand von Rechtsstreitigkeiten (3).

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Die Zauberlehrlinge aus Hessen oder: wie werde ich die Geister wieder los?

Wie aus einem alten Kalibergwerk zunächst eine „unbedeutende Abfallbeseitigungsanlage“ für Aschen und daraus mit zwei „wesentlichen“ Erweiterungen die weltweit größte Untertagedeponie für besonders überwachungsbedürftige Abfälle gezaubert worden ist – ohne Planfeststellung mit Öffentlichkeitsbeteiligung und ohne Umweltverträglichkeitsprüfung.

Ein Behördenstück in drei Zaubersprüchen

von Walter Hölzel

(…)
Walle! walle
manche Strecke,
daß, zum Zwecke,
Wasser fließe
und mit reichem, vollem Schwalle
in das Bergwerk sich ergieße.
(…)
Frei nach Goethes Zauberlehrling bzw. der Ballade
„Der Lügenfreund“ von Lukian von Samosata
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Aktuell: Die K+S-Untertagedeponie Herfa-Neurode brennt schon wieder

In der Nacht zum 5. Dezember ist erneut ein Schwelbrand in der von der K+S AG betriebenen Untertagedeponie für besonders überwachungsbedürftige Abfälle in Herfa-Neurode ausgebrochen.

Symbolbild

von Walter Hölzel

Der Brand soll in einer Kammer ausgebrochen sein, in der Rauchgasrückstände eingelagert sind. Solche Stoffe können mit Wasser unter starker Hitzeentwicklung reagieren und dabei auch Wasserstoff bilden. Dieses Gas bildet mit Luft explosionsfähige Gemische. Die Rauchgasrückstände sind selbst nicht brennbar. Zu Bränden kann es nur kommen, wenn gleichzeitig Feuchtigkeit und brennbare Materialien mit eingebracht werden. Das könnten Paletten oder sonstige Abfälle sein.

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Auf dem Silbertablett serviert – Die K+S AG lehnt ein Angebot der Stadtwerke Union Nordhessen und der General Electric Company ab

Hundert Jahre Werraversalzung und hundert Jahre Kaliforschung – Warum sich die Qualität der versalzenen Gewässer trotzdem nicht verbessert hat Teil IV.

von Walter Hölzel

Die K+S AG baut im Werra-Fuldarevier kaliumhaltige Salze ab und gewinnt daraus Kalidünger. Dreiviertel der geförderten Rohsalze werden als Abfälle an die Umwelt abgestoßen. Das hat zu einer großflächigen Versalzung des Grund- und Trinkwassers geführt sowie die Süßwasser-Lebensgemeinschaft in der Werra vernichtet und in der Weser schwer geschädigt. Von der Einleitstelle bis Bremen können die Anrainerkommunen kein Trinkwasser aus dem Uferfiltrat der Flüsse gewinnen.

Dieser Umweltkonflikt hat seinerseits einem Konflikt mit europäischen Richtlinien verursacht, welche die Anrainer vor der rücksichtslosen Inanspruchnahme der Gewässer z.B. als Abwasserrinnen schützen sollen. Wenn keine Lösungen gefunden und angewandet werden, mit denen sich die Richtlinien einhalten lassen, dann steht auch immer die Schließung der verschmutzenden Betriebe im Raum.

Die K+S AG lehnt es ab, in wirkungsvolle Technologien zu investieren

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(Kein) Klimaschutz in der industriellen Produktion am Beispiel der Herstellung von Kalidünger – Ein Beitrag zur Klimastreikwoche der Universität Kassel

Hundert Jahre Werraversalzung und hundert Jahre Kaliforschung – warum sich die Qualität der versalzenen Gewässer trotzdem nicht verbessert, Teil III

Wenn es um die Werraversalzung geht, dann betrachtet man übli­cherweise nur diejenigen Aspekte, mit denen die geschädigten An­rainer ihre Interessen vor Gericht geltend machen können. Das sind z.B. die Vernichtung der Süßwasser-Lebensgemeinschaft in der Wer­ra, die Vernichtung von Trinkwasservorkommen und die Alt­lasten der Rückstandshalden sowie der in den Untergrund ver­pressten Abwässer. Energieverbrauch und Klimaschutz sind bislang nicht thematisiert worden. Moderne Technik kann inzwischen den Energiever­brauch senken, Umweltschäden vermeiden und die Nachhaltigkeit verbessern – man muss sie nur anwenden.

von Walter Hölzel

Zusammenfassung – Potentiale zum Klimaschutz liegen brach

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