Verfrühte Spätschäden

K+S-Rückstandshalde bei Heringen

Der Kalihersteller K+S bleibt unter Druck: Bodensenkungen und Gasaustritte im Bereich der stillgelegten K+S-Kaligrube Bergmannssegen-Hugo lassen vermuten, dass dieses Bergwerk unzureichend gesichert worden ist.

Bergmannssegen-Hugo ist, wie zahlreiche andere Salzbergwerke auch, nach der Stilllegung mit eigenen Abwässern und Flusswasser geflutet worden. Diese „seit Jahrzehnten erprobte und genehmigte Sicherungsmaßnahme“ ist allerdings von Beginn an in der Kritik. Es wird befürchtet, dass durch Löseerscheinungen an den Stößen und Sicherheitspfeilern deren Tragfähigkeit so weit herabgesetzt wird, dass sich Bergsenkungen beschleunigen und sogar Bergschläge auftreten können. Dass selbst konzentrierte Salzlauge noch Bestandteile des Rohsalzes auflösen kann, ist eine Tatsache, die sich die K+S AG bei der Aufberetung der Salze zunutze macht. Auch chemische Reaktionen mit dem Ortsgestein sind möglich, die gleichermaßen die Bergsicherheit gefährden.

Erste Anzeichen hierfür könnten auch Gasaustritte an der Erdoberfläche sein. Sie zeigen, dass es Wegsamkeiten im Untergrund gibt, über die anschließend die zur Flutung verwendeten Abwässer an die Oberfläche gepresst werden können.

https://taz.de/Moegliche-Bergbaufolgen/!5868015/

https://taz.de/Gasaustritt-an-stillgelegtem-Bergwerk/!5833789/

https://taz.de/Kalibergbau-in-Niedersachsen/!5794242/

https://taz.de/Entsorgung-von-Abfalllauge/!5660879/

Gasaustritte an der Erdoberfläche sind nicht sichtbar, sie können allerdings durch Messungen festgestellt sowie qualitativ und quantitativ erfasst werden. Es ist geradezu ein Glücksfall, wenn sie, wie hier, in den Vorflutern auffällig werden, bevor Grundwasser und Flüsse mit aufsteigendem Salzwasser belastet werden. So werden sie auch der Öffentlichkeit bekannt.

Die Betreiberin des Bergwerks, die K+S AG, weist die Verantwortung von sich. Nach ihrer Meinung sind mikrobielle Vorgänge für die Gasaustritte vewrantwortlich. Nach meiner Information ist dies bislang nicht durch unabhängige Expertise nachgewiesen und noch nicht einmal plausibel gemacht worden.

Noch ist es vielleicht nicht zu spät, die Gefahr zu beseitigen. Für die entstehenden Kosten ist nach dem Umwelthaftungsrecht der Verursacher zuständig.

https://www.umweltbundesamt.de/themen/nachhaltigkeit-strategien-internationales/umweltrecht/umwelthaftungs-umweltschadensrecht#umwelthaftungsrecht-und-umweltschadensrecht

Die Kali-Industrie in Deutschland setzt auf Ewigkeitslasten.

Manche dieser Ewigkeitslasten sind weithin sichtbar, wie die Rückstandshalden. Die dort entstehenden Haldenlaugen versalzen das Grundwasser und die Vorfluter und sie verhindern, dass die Ziele EU-Wasserrahmenrichtlinie erreicht werden können. Die Rückstandshalden sind besonders gefährlich, wenn versucht wird, sie mit Industrieabfällen abzudecken. So entstehen Sondermülldeponien auf den Rückstandshalden.

Es gibt aber auch andere, nicht sichtbare Ewigkeitslasten. Dazu gehören die mehr als 300 Mio. Kubikmeter Abwässer, die im Werra-Fuldarevier in den Untergrund verpresst worden sind. Sie versalzen das Grundwasser und Flüsse und sie vernichten Trinkwasservorräte. Obwohl dieser Entsorgungsweg Ende 2021 geschlossen worden ist, werden die Schäden weiter zunehmen, weil sich die Salzwasserblase im Untergrund mit dem Grundwasserstrom ausdehnt.

Weitere Ewigkeitsschäden sind die ungesicherten oder schlecht gesicherten Bergwerke. Dort sind Bergsenkungen zu erwarten, die dann besonders brisant sind, wenn in den Bergwerken Wassereinbrüche auftreten und Abwässer sowie Industrieabfälle eingelagert sind.

Rückstandshalden und Bergrisiken bedingen sich gegenseitig

Zurückgelassene Ewigkeitslasten können die Kosten für die Beseitigung der Produktionsabfälle erheblich reduzieren. Auftretende Risiken werden erst viel später erwartet und bleiben der Nachwelt überlassen.

Die Rückstandshalden der Kali-Industrie sind nur notwendig geworden, weil die Betreiberin der Bergwerke es verweigert, die festen Rückstände durch Versatz in die untertägigen Hohlräume zu beseitigen. Damit könnten allein im Werrarevier jährlich 8 Mio, Kubikmeter Haldenlaugen vermieden werden und gleichzeitig ließe sich die Bergsicherheit im Revier garantieren. Das war wohl nicht im Sinne der K+S AG.

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