Grüne Perücke und nasse Füße

Mit der geplanten Teilabdeckung der Rückstandshalden kann K+S den qualitativen Zustand der Werra und des Grundwassers nicht verbessern, vielmehr ist eine weitere Verschlechterung zu erwarten

Rückstandshalde der K+S AG bei Philippsthal im Jahre 2002

Das Regierungspräsidium Kassel hat der K+S AG gestattet, das Gipfelplateau der Rückstandshalde am Standort Hattorf abzudecken und zu begrünen. Die steilen Flanken werden nicht abgedeckt und bleiben der Witterung ausgesetzt.

https://www.zeit.de/news/2022-07/18/behoerde-genehmigt-gipfelabdeckung-von-k-s-abraumhalde

Nach Ansicht des Regierungspräsidenten Mark Weinmeister konnte damit „ein weiteres Mal dem erforderlichen Ausgleich zwischen ökonomischer Planungssicherheit und ökologischer Verantwortung Rechnung getragen werden». Diese Formulierung kennen wir bisher nur von K+S-Vertretern, es ist unklar, was der Regierungspräsident eigentlich meint. Eine Überprüfung zeigt: sie kaschiert die tatsächlich beabsichtigte vermehrte Einleitung von Abwässern in die Werra und das Grundwasser.

Dem obigen Beitragsbild kann man leicht entnehmen, dass die abdeckbare Fläche maximal 20% der Haldenoberfläche ausmacht. Auch hat K+S schon 2009 in dem so genannten „350-Mio.-Euro-Maßnahmenpaket zum Gewässerschutz“ angekündigt, dass sich das Haldenvolumen bis zur Betriebseinstellung noch einmal verdoppeln wird. Daraus lässt sich errechnen, dass sich das Volumen der Haldenlaugen bis zur Betriebseinstellung noch einmal um 60% erhöhen wird – vorausgesetzt, dass die Abdeckung auf allen Halden umgesetzt wird und auch wirksam ist. Davon kann aber nicht die Rede sein, zumal die Halde in Neuhof-Ellers so instabil ist, dass dort keine Abdeckung möglich sein dürfte.

K+S-Rückstandshalde in Neuhof-Ellers. Infrastruktur des Werkes musste mit einem Damm vor abrutschenden Haldenflanken geschützt werden.

Welcher „ökologischen Verantwortung“ hat der Regierungspräsident denn „Rechnung getragen“?

Das Volumen der Haldenlaugen im Werra-Fulda-Revier wird bereits jetzt mit 4 Mio. Kubikmeter/Jahr angegeben. Schon diese Menge macht es unmöglich, die Qualitätsziele der EU-Wasserrahmenrichtlinie zu erreichen. Welche „ökologische Verantwortung“ übernimmt der Regierungspräsident, wenn die Menge der Haldenlaugen weiter zunimmt?

Wir gehen davon aus, dass das Unternehmen wieder einmal etwas Geld investiert, um guten Willen vorzutäuschen. Wir erinnern uns, dass K+S schon einmal die „Fernentsorgung“ der Abwässer in die Nordsee in Aussicht gestellt hat. Davon war nicht mehr die Rede, nachdem dem Unternehmen die Fortsetzung der Laugenverpressung in den Untergrund genehmigt worden ist.

Aktuell hat die K+S AG nämlich ein weiteres Problem: Bislang ist die beantragte Einstapelung ihrer Produktionsabwässer in die Grube Springen II nicht genehmigt, hier könnte der Anschein guten Willens hofreich sein.

Die riskante Einstapelung von Abwässern

Die WWA hatte darauf hingewiesen, dass chemische Umsetzungen der Abwässer mit dem Ortsgestein im Genehmigungsverfahren nicht berücksichtigt worden sind und das Risiko für die Bergsicherheit somit falsch dargestellt wurde. Dies ist besonders kritisch, weil im Katastrophenfall Abwässer auch in die Untertagedeponie Herfa-Neurode gelangen können: