Wer heizt denn hier bei offenen Fenstern?

Grünen-Chef Robert Habeck hat sich dagegen ausgesprochen, dass Hartz IV-Beziehende angesichts stark steigender Heizkosten entlastet werden. „Der Grüne begründete seine Haltung damit, dass eine vollständige Übernahme „immer“ dazu einlade, „dass man dann die Heizung aufdreht und das Fenster aufmacht“. In Hinblick auf den Klimaschutz fügte Habeck hinzu, dass es „schon einen Anreiz“ geben solle, „sorgsam mit Energie umzugehen“.“ :

https://www.fr.de/politik/robert-habeck-gruene-hartz-iv-alg-2-heizkosten-kritik-twitter-facebook-news-91085626.html

Es bietet sich also an, Herrn Habeck ernst zu nehmen und zu überprüfen, ob bündnisgrüne Politiker selbst „sorgsam mit Energie umgehen“. Die Anrainer von Werra und Weser haben nämlich den Eindruck, dass es eher die Industrie ist, die „mit offenen Fenstern“ heizt; mit subventionierten Energiekosten kann man sich das leisten. Bringen sich Bündnisgrüne hier ein? Sie wollen ein Beispiel? Aber gerne!

Die K+S AG vernichtet Rohstoffe und verschwendet Energie

Die K+S AG gibt an, erhebliche Mittel in den Gewässer- und Umweltschutz investiert zu haben. Wir können das nicht überprüfen, aber wir wissen, dass sich der Abstoß von Abfallsalzen an die Umwelt kaum verringert hat. Mit dem Umweltschutz kann es also nicht weit her sein. Unwahrscheinlich, dass das Unternehmen so viel Geld für so wenig Ergebnis verschwendet haben soll.

2014 hat der Vorsitzende der K-UTEC AG dem Kalihersteller und dem Runden Tisch vorgerechnet, dass wegen der unzureichenden Aufbereitungsverfahren mit den Abwässern jährlich 500.000 Tonnen Wertstoffe vernichtet werden. Bei einer Jahresproduktion der Werke Werra und Neuhof von ca. 5 Mio. Tonnen (2014; aus: Rauche, Die Kaliindustrie im 21. Jahrhundert, S. 387 ff.) entspricht dies einem Energie- und Wertstoffverlust von 10%.

Anders ausgedrückt: Um die verlorenen 500.000 Tonnen Wertstoffe herstellen zu können, müssten 2,5 Millionen Tonnen Rohsalze abgebaut, gefördert und aufbereitet werden. Geschieht dies mit den im Werrarevier bislang angewandten Verfahren, dann entstehen jährlich wiederum durchschnittlich 1,4 Mio. Tonnen an festen Abfällen, die aufgehaldet oder versetzt werden müssten. Zusätzlich entstehen 0,7 Mio. Tonnen flüssige Abfälle, die wiederum 50.000 Tonnen an gewinnbaren Wertstoffe enthalten.

Diese Plausibilitätsrechnung zeigt auf den ersten Blick, wie rückständig und ineffektiv die im Werrarevier angewandten Verfahren sind. Sie vergeuden die letzten Rohstoffvorkommen Deutschlands und verheizen unsere Zukunft. Eine Aufbereitung seiner Abwässer hat die K+S AG abgelehnt.

Weitere Informationen:

Die K+S AG lehnt ein klimaschonendes Angebot ab

Es sollte aber noch schlimmer kommen.

Die Stadtwerke Union Nordhessen (SUN) war auf der Suche nach Verwertungsmöglichkeiten für Überschussenergie der eigenen Wind- und Sonnenkraftwerke. Eine Überschlagsrechnung hatte ergeben, dass die Energiemenge ausreichen könnte, um die Abwässer der K+S AG aufzuarbeiten. Gemeinsam mit der General Electric Company machte die SUN das Angebot, auf eigene Kosten eine Anlage nach K-UTEC zu bauen und die K+S-Abwässer in Dienstleistung aufzuarbeiten. Auch dieses Angebot hat K+S abgelehnt.

Der Anteil von Bündnis90/Die Grünen

Um in der beschriebenen Weise wirtschaften zu können, benötigt die K+S AG Genehmigungen, die letzten Endes von der Landesregierung verantwortet werden. Daran waren in den letzten Jahrzehnten auch mehrere bündnisgrüne Umweltminister beteiligt. Wir wollen nicht behaupten, dass diese Genehmigungen zu verhindern gewesen wären. In Hessen ist keine Koalition denkbar, die der K+S AG mehr Umweltschutz und weniger Energieverschwendung nahelegt. Es hat aber auch keiner der Minister auf sein Amt verzichtet, sondern die erwähnten Genehmigungen mitgetragen.

Niemand ist dabei so weit gegangen wie die jetzige Umweltministerin Priska Hinz (B’90/Die Grünen):