Hört nicht auf die Verlierer

Der Kognitionspsychologe und Hochschullehrer Christian Stöcker hat sich in einer Spiegel-Kolumne mit „Organisationen“ befasst, die Menschenwürde und Menschenleben rücksichtslos ihrem Profit opfern, die Öffentlichkeit mit Desinformation verwirren, die Wissenschaft mit Gefälligkeitsgutachten bekämpfen und den von ihnen bestochenen Menschen die Würde nehmen. Die, nicht zu vergessen, „zur Sicherung ihrer Investitionen“ anderen Menschen die Lebensgrundlagen rauben.

https://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/uefa-und-oelkonzern-exxon-hoert-nicht-auf-die-verlierer-a-4437a4f5-b200-4864-9fe1-bb3fdbfbef60

Das betrifft inzwischen nicht nur künftige Generationen, sondern bereits die jetzt lebenden Menschen. Als eines seiner Beispiele zitiert Stöcker einen Lobbyisten, der im Gespräch mit einem vermeintlichen Headhunter sich und seinen Auftraggeber charakterisiert hat:

„Der eingangs zitierte Exxon-Lobbyist Keith McCoy berichtete in einem von Greenpeace inszenierten Gespräch, in dem es um einen vermeintlichen Jobwechsel ging, freimütig von den Desinformationsaktivitäten, die sein Unternehmen nach wie vor betreibe. Natürlich habe man »aggressiv die Wissenschaft bekämpft« und »Schattengruppen« unterstützt, die den menschengemachten Klimawandel leugneten, und man lobbyiere heimlich und heftig gegen Joe Bidens »wahnsinnige« Klimapläne, aber das sei ja »nicht illegal«.“

Wer würde sich dabei nicht an „Organisationen“ erinnern, die es sich erlauben lassen, Milliarden Kubikmeter Trinkwasser zu vernichten? „Organisationen“, welche die Genehmigung zur Vernichtung des Ökosystems ganzer Flussgebiete nicht verschmähen? Die sich die Anhäufung von Ewigkeitslasten gestatten lassen, die noch in hunderten oder tausenden von Jahren eine Gefahr für die Menschen darstellen?

Ob man hier noch von „Erlaubnissen“ und „Genehmigungen“ sprechen kann? Ist es wirklich keine Bestechung, wenn ein Staatsanwalt den schmutzigen Geldschein nicht finden kann, den sich jemand hat zustecken lassen?

Vielleicht liegt es ja daran, dass man so durchsichtig und nachvollziehbar nicht mehr korrumpiert. Würde man nicht eher ein Neufahrzeug in einen Jahreswagen umwandeln lassen oder hoffnungsvollen Sprößlingen ein Stipendium zustecken oder einen Arbeitsplatz versprechen? Der Verlust der persönlichen Würde ist auf Kontoauszügen nicht zu erkennen, der morgendliche Blick in den Spiegel findet nicht öffentlich statt.

Den Verlierern entgegentreten

Für Stöcker allerdings stehen diese Organisationen auf der Verliererseite, denn auch sie bewohnen den beschädigten Planeten, dessen Erhaltung sie bekämpfen. Wenn wir ihnen entgegentreten, dann nutzen wir den Vielen und schaden nur den Wenigen:

„Bei der Klimakrise gilt das Gleiche wie bei der Pandemie: Die vielen Gewinner einer effektiven Bekämpfung, das sind wir alle. Es wird Zeit, den politischen Einfluss der Verlierer zu begrenzen – und ihnen endlich entschlossen entgegenzutreten.“