Renaissance des Thüringer Kali-Bergbaus

Ja, Sie haben richtig gelesen. Allerdings ist hier nicht von der K+S AG die Rede, der wohl niemand eine Renaissance zutraut. Das australische Unternehmens Davenport Resources hat sich in den vergangenen Jahren verschiedene Bergbau- und Explorationslizenzen für Kalivorkommen im Südharz gesichert. Sie grenzen an alte Gruben, für die in der DDR eine Erweiterung dorthin geplant gewesen ist. Schon 2025 könnte die Förderung beginnen (1), (2), (3).

Nur 100 km von der Kadsseler K+S AG entfernt …

Nur 100 km von der Kasseler K+S AG entfernt findet sich ein Salzvorkommen, aus dem ca. 325 Mio. Tonnen Kalidünger gewonnen werden können. Der jährliche Bedarf Europas liegt bei etwa 5 Mio. Tonnen, es handelt sich also um eine bedeutende Lagerstätte.

„Wir wollen dem Kalibergbau in Thüringen zu einer neuen Blütezeit verhelfen“, sagt Jason Wilkinson, Geschäftsführer der Südharz Kali GmbH, Tochtergesellschaft von Davenport Resources, im Gespräch mit dem Handelsblatt. „Unser langfristiges Ziel ist es, ein Kalibergwerk zu errichten, das die Region wirtschaftlich stärkt und zugleich eine umweltschonende und sichere Nutzung der vorhandenen Kalivorkommen ermöglicht“, ergänzt Chris Gilchrist, Vorstandssprecher von Davenport Resources.

Die Thüringer Kalivorkommen sind schon zu DDR-Zeiten erforscht worden. Die Unterlagen dürften aus dem Bestand des damaligen Kaliforschungsinsituts in den Besitz der K-UTEC AG gelangt sein. Davenport Resources hat mit dem Salzspezialisten K-UTEC einen kompetenten Partner gewonnen, dem man zutrauen kann, dem Salzbergbau in Thüringen zu neuer Blüte zu verhelfen.

Die K-UTEC AG hatte schon 2008 ein Betriebskonzept für die Wiedereröffnung der stillgelegten Grube Roßleben vorgestellt. Es wäre ohne den Abstoß von Salzlaugen und ohne die Anlage von Rückstandshalden ausgekommen. 2011 konnte das Unternehmen nachweisen, dass auch die wertstoffärmsten Abwässer (Haldenlaugen und Q-Laugen) der K+S AG im Werratal noch mit Gewinn aufgearbeitet werden können (4), (5), (6), (7), (8). 2014 folgte schließlich das Konzept für eine abstoßfreie Kaliproduktion in den Werken Werra und Fulda der K+S AG (9), (10), (11), (12), (13).

Entsprechend selbstbewusst stellt sich das Unternehmen dar: „Davenport will (,,,) mit dem Einsatz neuer Technologien abfallärmer produzieren und die anfallenden Salzabfälle wieder unter Tage in das Bergwerk einbringen. „Salzhalden und salzhaltige Abwässer, die in Flüsse geleitet werden müssen, wird es bei uns nicht geben“, verspricht Süd-Kali-Chef Wilkinson. „Wir wollen umweltschonend und CO2-neutral produzieren.“

Wieder einmal zeigt sich, dass moderne Technik die Produktionskosten senken kann: „Davenport (will) zu ähnlich niedrigen Kosten produzieren wie die osteuropäischen Konkurrenten Urakali und Belaruskali (um die 100 US-Dollar je Tonne) und damit mehr als die Hälfte günstiger als K+S.“

Das könnte das vorzeitige Ende für den Kasseler Kalikonzern einleiten. Das Unternehmen hatte es nicht verstanden, sich rechtzeitig auf die durch Überproduktion verursachte Kali-Absatzkrise einzustellen. Im Gegenteil: K+S hat mit seinem neuen Betrieb in Kanada zu der Überproduktion beigetragen, aber die Verbesserungsvorschläge der K-UTEC AG ausnahmslos abgelehnt.

Die bei der K+S AG im Werratal beschäftigten Bergleute müssen sich deshalb keine Sorgen machen, sie können 100 km entfernt wieder Arbeit finden. Für die betroffene Region im Werratal, besonders auf der hessischen Seite, dürfte der Schaden so schnell nicht zu beheben sein. Es hat sich nicht gelohnt, der K+S AG jeden Wunsch zu erfüllen…

Endnoten

(1) „Rohstoffindustrie Kalisalze für ganz Europa: Australier wollen Thüringer Vorkommen erschließen, Handeslblatt“, 08.02.2021, https://www.handelsblatt.com/unternehmen/industrie/rohstoffindustrie-kalisalze-fuer-ganz-europa-australier-wollen-thueringer-vorkommen-erschliessen/26893690.html?ticket=ST-2645205-fufx6mZOElHgPsVnbiAf-ap3

(2)

(3) 9. Februar 2021, Bergbau – Erfurt: Australier haben Interesse an Thüringer Kali-Lagerstätte, https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/bergbau-erfurt-australier-haben-interesse-an-thueringer-kali-lagerstaette-dpa.urn-newsml-dpa-com-20090101-210209-99-369764

(4) Was hat Dr. Diekmann zu verbergen? Pressemitteilung der WWA vom 04.11.2011, https://ia803107.us.archive.org/31/items/werraweseranrainerkonferenzpm111104/Werra-Weser-Anrainerkonferenz-PM-111104.pdf

(5) Marx (K-UTEC AG) et al., Überlegungen zur abstoßreduzierten bzw. Abstoßfreien Produktion von Salzen, Vortrag Runder Tisch 18.09.2012, https://ia803102.us.archive.org/9/items/kutecrtseptember2012/K-UTEC%20RT%20September%202012.pdf

(6) Marx (K-UTEC AG) et al., Überlegungen zur Aufbereitung der Abstoßlösungen des Werkes Werra, Vortrag Runder Tisch 24.09.2013, https://ia801003.us.archive.org/5/items/praesmarx/Praes_Marx.pdf

(7) Prof. Dr. Peter Quicker (RWTH Aachen, Entsorgung von Kaliabwässern durch Eindampfung, Evaluierung eines alternativen Entsorgungsszenarios für Kaliabwässer der K+S KALI GmbH , Juli 2013, https://ia801008.us.archive.org/4/items/130710berichtwerra/130710_Bericht_WERRA.pdf

(8) W. Hölzel (WWA), Abstoßfreie Kalidüngerproduktion – Neue Ergebnisse für die Werke Werra und Fulda der K+S Kali GmbH, 30. Oktober 2013, https://ia903103.us.archive.org/14/items/dieneuenergebnisseaussondershausen/Die%20neuen%20Ergebnisse%20aus%20Sondershausen.pdf

(9) Marx (K-UTEC AG) et al., Vortrag Runder Tisch, 21.01.2014, Überlegungen zur Aufbereitung der Abstoßlösungen des Werkes Werra, https://ia601508.us.archive.org/1/items/k-utec-januar-2014-1/K-UTEC%20Januar%202014%201.pdf

Die Folien tragen den Vermerk Vorbereitete, aber nicht vorgestellte Präsentation!, weil der Vorsitzende des Runden Tisches den Vortrag nicht zulassen wollte.

(10) K-UTEC AG, Stellungnahme zur Presseinformation der K+S AG, 24.01.2014, https://ia601405.us.archive.org/30/items/k-utec-januar-2014-2/K-UTEC%20Januar%202014%202.pdf

(11) K-UTEC AG, Stellungnahme zur Präsentation der K+S AG, 17.01.2014, (enthält die ausführliche Kostenkalkulation), https://ia601405.us.archive.org/30/items/k-utec-januar-2014-2/K-UTEC%20Januar%202014%202.pdf

(12) Asemann (K-UTEC AG) et al., Possibilities for a Discharge Reduced Salt and Potash Production 26th – 28th May 2014, | Manaus, Brazil Experience from worldwide engineering activities of K-UTEC AG

(13) Umweltbundesamt,Versalzung von Werra und Weser – Beseitigung der Abwässer aus der Kaliproduktion mittels „Eindampflösung“, Stellungnahme Oktober 2014, https://ia601504.us.archive.org/31/items/2014-10-15-uba-stellungnahme/2014%2010%2015%20UBA%20Stellungnahme.pdf

Das Umweltbundesamt bestätigte hier sowohl die technische Machbarkeit der K-UTEC-Vorschläge als auch die Kostenkalkulation; Einlassungen der K+S AG und ihres Gutachters wurden verworfen.