Ist K+S im freien Fall oder schon am Boden? – Eine Krise mit Ansage und System (aktualisiert)

Aktuell 18.02.2021 : „K+S: Bafin beauftragt Prüfung vergangener Jahres- und Zwischenberichte – Kurseinbruch!“

Nach einer Wertberichtigung von 2 Mrd. Euro im Jahre 2020 werden nun die Jahres- und Zwischenberichte überprüft. Es geht u.a. um die Frage, ob die Wertberichtigung vom November 2020 ausreichend gewesen ist, um den Wert des Unternehmens realistisch abzubilden und ob sie hätte früher erfolgen müssen. Die BaFin behält sich vor, die Prüfung auszudehnen (aktuell 1), (aktuell 2), (aktuell 3). „Neuer Schlag für Aktionäre“ schreibt das Handelsblatt und: „Viele Fragen sind offen“ (aktuell 4). und die Tagesschau fragt sogar „Pleiten, Pech und Pannen – Ist K+S noch zu retten?“ (aktuell 5).

Die BaFin hat der DPR zum Anlass der Prüfung Folgendes mitgeteilt:

„Konkrete Anhaltspunkte liegen vor, weil die im Konzernabschluss zum 31.12.2019 und im verkürzten Abschluss zum 30.06.2020 ausgewiesenen Vermögenswerte, insbesondere das Anlagevermögen, zu hoch bemessen sein könnten. (…) Der BaFin liegen konkrete Anhaltspunkte dafür vor, dass dieser Wertminderungsbedarf ggf. nicht zutreffend ermittelt und ganz oder teilweise bereits zu einem früheren Zeitpunkt hätte erfasst werden müssen. Ebenso können weitere Aktivposten von einem Wertberichtigungsbedarf betroffen sein.

„K+S-Aktie fällt deutlich – BaFin prüft – jetzt geht die große Angst um?“ fragt die Finanzmarktwelt am 18.02.20121 (aktuell 6).

Damit stellen sich uns die Fragen, ob das Unternehmen K+S jemals in der Lage sein wird, mit den angerichteten Umweltschäden halbwegs angemessen umzugehen und ob es tatsächlich noch sinnvoll sein kann, ihm weiterhin jede gewünschte Genehmigung zu erteilen. Die Aktionäre ihrerseits werden sich fragen, wieviel Geld sie diesmal verlieren.

Wir würden sagen: Es ist Zeit, dieses Elend zu beendigen.

Hier unser dazu passender Blogbeitrag vom November 2020:

Der Kalihersteller K+S steht seit Jahrzehnten in der Kritik, weil er mit seinen Abwässern die Flüsse Werra und Weser sowie das Grund- und Trinkwasser im Kalirevier versalzt. Auf die Absatzkrise für Kalidünger hat das Unternehmen zu spät und falsch reagiert. Jetzt hat auch der Verkauf von Firmenanteilen nicht ausgereicht, um einen Weg aus der Krise zu finden. „Bei Kalipreisen verschätzt – K+S muss Milliarden abschreiben. Der Rohstoffkonzern leidet unter fallenden Kalipreisen. Weil das Unternehmen die Entwicklung falsch eingeschätzt hat, muss es nun Milliarden abschreiben.“ schreibt das Handelsblatt (1).

Die Entwicklung war lange absehbar

Nach einem rasanten Anstieg der Düngerpreise im Jahre 2008 sind weltweit neue Abbaukapazitäten erschlossen worden. Die großen Abnehmerländer wie China und Brasilien wollten sich nicht länger die Preise diktieren lassen, auch Dritte-Welt-Länder haben sich an der Erschließung von Kalivorkommen beteiligt.

Schließlich ist auch die K+S AG auf diesen Zug aufgesprungen und hat in Kanada ein neues Solebergwerk gebaut. Diese Investition hat ca. 4 Mrd. US$ gebunden und gleichzeitig die Überproduktion an Kalidünger verschärft und zu dem Preisverfall beigetragen. Außerdem bereiten Qualitätsmängel dort Probleme.

Der nächste Fehler war es wohl …

„Ist K+S im freien Fall oder schon am Boden? – Eine Krise mit Ansage und System (aktualisiert)“ weiterlesen

„Deformiert und abgesoffen“

Über die besonderen Eigenschaften von Salzbergwerken und über die Glaubwürdigkeit und Zuverlässigkeit ihrer Betreiber sowie über die Gutgläubigkeit der zuständigen Behörden. Dargestellt am Beispiel des „Endlagers“ Asse II und als warnendes Beispiel für die Entsorgungspraktiken in den Kalibergwerken des Werratals.

In einem bemerkenswerten Artikel schildert Nadja Podbregar*, wie aus einem maroden und nassen Salzbergwerk, der Grube Asse II, zunächst ein „Endlager“ für radioaktive Abfälle wurde, und wie jetzt daraus wieder ein nasses, wenngleich saniertes Bergwerk entstehen soll, dass man getrost verschließen kann (1).

*Nadja Podbregar ist online-Redakteurin von wissenschaft.de (Bild der Wissenschaft) und Chefredakteurin des Wissenschafts-Magazins scinexx.de.

Uns geht es hier nicht um die Endlagerung vom Atommüll. Wir beschäftigen uns mit den Eigenschaften von Salzbergwerken und damit, was alles passieren muss, damit man diese Eigenschaften vergisst, verdrängt und auf jeden Fall nicht berücksichtigt.

In dem Salzbergwerk Asse II hat man trotz der dort bekannten Wassereinbrüche ein „Versuchsendlager“ für radioaktive Abfälle eingerichtet. Auch im Werratal gibt es eine „nasse Grube“, also ein Salzbergwerk, in das von außen Wasser eindringt, der Grubenteil Springen II in Thüringen. Es ist ein Allgemeinplatz, dass „jede Salzgrube einmal absaufen wird“. In der Schweiz begründet man damit das Verbot, in Salzbergwerke Abfälle einzulagern (2), (3). Springen II (4) hat schon einmal als „Zwischenlager“ (5) gedient, als die K+S AG die Abwässer der Rückstandshalde Neuhof-Ellers nicht mehr in den Untergrund verpressen durfte. Dieser Grubenteil soll nun zusätzlich noch jährlich mehrere Millionen Kubikmeter der K+S-Produktionsabwässer aufnehmen. Ein weiteres „Zwischenlager“ für K+S-Abwässer befindet sich auf der hessischen Seite, unterhalb der „weltweit größten Untertage-Deponie für besonders überwachungsbedürftige Abfälle“ (Herfa-Neurode). Bedenken gegen diesen Entsorgungsweg wurden von den Behörden weggewischt oder erst gar nicht zur Kenntnis genommen (6).

Eine katastrophale Entscheidung und ein glänzendes Geschäft …

„„Deformiert und abgesoffen““ weiterlesen

Renaissance des Thüringer Kali-Bergbaus

Ja, Sie haben richtig gelesen. Allerdings ist hier nicht von der K+S AG die Rede, der wohl niemand eine Renaissance zutraut. Das australische Unternehmens Davenport Resources hat sich in den vergangenen Jahren verschiedene Bergbau- und Explorationslizenzen für Kalivorkommen im Südharz gesichert. Sie grenzen an alte Gruben, für die in der DDR eine Erweiterung dorthin geplant gewesen ist. Schon 2025 könnte die Förderung beginnen (1), (2), (3).

Nur 100 km von der Kadsseler K+S AG entfernt …

„Renaissance des Thüringer Kali-Bergbaus“ weiterlesen