Ist K+S im freien Fall oder schon am Boden? – Eine Krise mit Ansage und System

Der Kalihersteller K+S steht seit Jahrzehnten in der Kritik, weil er mit seinen Abwässern die Flüsse Werra und Weser sowie das Grund- und Trinkwasser im Kalirevier versalzt. Auf die Absatzkrise für Kalidünger hat das Unternehmen zu spät und falsch reagiert. Jetzt hat auch der Verkauf von Firmenanteilen nicht ausgereicht, um einen Weg aus der Krise zu finden. „Bei Kalipreisen verschätzt – K+S muss Milliarden abschreiben. Der Rohstoffkonzern leidet unter fallenden Kalipreisen. Weil das Unternehmen die Entwicklung falsch eingeschätzt hat, muss es nun Milliarden abschreiben.“ schreibt das Handelsblatt (1).

Die Entwicklung war lange absehbar

Nach einem rasanten Anstieg der Düngerpreise im Jahre 2008 sind weltweit neue Abbaukapazitäten erschlossen worden. Die großen Abnehmerländer wie China und Brasilien wollten sich nicht länger die Preise diktieren lassen, auch Dritte-Welt-Länder haben sich an der Erschließung von Kalivorkommen beteiligt.

Schließlich ist auch die K+S AG auf diesen Zug aufgesprungen und hat in Kanada ein neues Solebergwerk gebaut. Diese Investition hat ca. 4 Mrd. US$ gebunden und gleichzeitig die Überproduktion an Kalidünger verschärft und zu dem Preisverfall beigetragen. Außerdem bereiten Qualitätsmängel dort Probleme.

Der nächste Fehler war es wohl …

Der nächste Fehler war es wohl, ein Übernahmeangebot eines kanadischen Konkurrenten nicht anzunehmen. Dessen CEO, ein deutscher Bergwerksingenieur, hatte vorgeschlagen, die kanadische Grube zunächst nicht fertig zu stellen und sich dafür auf die in den deutschen Bergwerken erzeugten Spezialprodukte zu stützen. Das hätte die Arbeitplätze im Werrarevier sichern können.

In dieselbe Richtung ging ein Vorschlag des Salzspezialisten K-UTEC AG, die Verfahren für eine abstoßfreie Kaliproduktion im Werrarevier entwickelt hatte. Diese Verfahren hätten es ermöglicht, auch den hohen Anteil an Kalium und Sulfat in den Abwässern zu nutzen und den Spezialdünger Kaliumsulfat herzustellen. Dieser Dünger ist nicht von dem Preisverfall betroffen.

Die Ablehnung der Vorschläge hat den Wert der K+S AG erheblich vermindert. Während das Übernahmeangebot noch bei ca. 40 Euro pro Aktie lag, beträgt der Wert der Unternehmensanteile jetzt etwa 5 Euro.

Auch das ist kein Schnäppchen-Preis

Ob damit schon der Wert des Unternehmens realistisch abgebildet ist? Wohl kaum, denn die K+S AG produziert mit Anlagen, die dem Stand der Technik nicht mehr entsprechen. In den siebziger Jahren des 20. Jahrhunderts gab es zuletzt gößere Investitionen in die Entwicklung von Produktionsanlagen. Die damals gebaute „elektrostatische Abscheidung“ (ESTA-Anlage) ist aus heutiger Sicht nicht mehr effektiv. Etwa 30% der in den verarbeiteten Rohsalzen enthaltenen Wertstoffe können nicht gewonnen werden (2) und die Rückstände werden oberirdisch zu Salzhalden aufgetürmt, für deren Beseitigung dem Unternehmen abgeblich das Geld fehlt.

Auch die als „Eigenentwicklung“ gepriesene „KKF-Anlage“ ist im Vergleich zu den K-UTEC-Verfahren technisch rückständig. Sie gewinnt weniger Wertstoffe aus den Abwässern und sie trägt dazu bei, dass sich das Volumen der Kalihalden noch einmal verdoppeln soll.

Verwöhnte Kinder

Die K+S AG konnte sich ihre Entsorgungspraktiken und die Ablehnung moderner und wirksamer Aufbereitungsverfahren nur leisten, weil dem Unternehmen immer wieder die gewünschten Genehmigungen zur Verschmutzung der Umwelt erteilt worden sind. Das hat dem Management scheinbar den Schwung genommen, sich als modernes und leistungfähiges Unternehmen am Markt zu behaupten.

Auch jetzt liegt wieder eine Genehmigung in den Schubladen des Umweltministeriums, die es der K+S AG gestattet, ihre Abwässer ein weiteres Jahr in die Werra zu leiten. Die Krise der K+S AG hat System und Ursache. Das Unternehmen muss endlich lernen, Verantwortung für das eigene Handeln zu übernehmen.

Endnoten

(1) https://www.handelsblatt.com/unternehmen/energie/rohstoffe-bei-kalipreisen-verschaetzt-ks-muss-milliarden-abschreiben/26590140.html?ticket=ST-5830324-Sf5JoWlx2tlDxVTZvKZ5-ap1

(2) Dr. habil. Ralf E. Krupp, Offener Brief: Versalzung der Werra und Weser, riskante Einstapelung von Kaliab­wässern in ehemaligen Kalibergwerken, 30.07.2019 https://ia802802.us.archive.org/1/items/kruppoffenerbrieffggweser2/Krupp_Offener_Brief_FGG_Weser_2.pdf