Jede noch so abstruse Satire kann von der Realität überboten werden

Unter dem Titel „Grönlandeis für Gerstungen“ hatten wir am 1. April 2020 von dem Versuch der K+S AG phantasiert, mit Wasser aus Grönlandeis die gegenüber der Gemeinde Gerstungen eingegangenen Verpflichtungen einzulösen.

https://salzblog.org/2020/04/01/groenlandeis-fuer-gerstungen/

Erinnern Sie sich? Die in den Untergrund verpressten Abwässer des Kaliherstellers im Werratal hatten in den Versenkräumen Trinkwasservorkommen vernichtet. Die thüringische Gemeinde Gerstungen, die noch einige intakte Brunnen besaß, kämpfte gegen die fortgesetzte Verpressung von Abwässern. Der Verursacher hielt dagegen, die zunehmende Versalzung habe einen natürlichen Ursprung. Der Expertenkrieg zog sich über Jahre.

Inzwischen war die Gemeinde vor dem Verwaltungsgericht Kassel ziemlich weit gekommen. Zwar zögerte das Gericht mit einem Urteil, aber die vom Gericht angeforderten Unterlagen hatten immer mehrTatsachen enthüllt, die man durchaus als skandalös ansehen konnte. Das hatte K+S wohl nicht gefallen. In dieser Situation hat der Kalihersteller K+S der Gemeinde Gerstungen ein Angebot gemacht, das diese nicht ablehnen konnte. Für eine Rücknahme der Klage sollte es im Gegenzug einen Ausgleich für die Gemeinde geben.

Das Angebot hätte, so unsere Vermutung zum 1. April, auch darin bestehen können, Wasser aus grönländischem Gletschereis zum Ausgleich für die „natürlich“ versalzenen Brunnen der Gemeinde nach Gerstungen zu liefern.

Das hätten wir vielleicht unterlassen sollen, denn inzwischen hat jemand eine ganz ähnliche Geschäftsidee entwickelt und verkauft Wasser aus Grönlandeis in Flaschen:

https://www.spiegel.de/wirtschaft/service/trinkwasser-aus-gletscher-eis-aus-groenland-erhaelt-schweizer-schmaehpreis-a-58f56216-ac8c-4012-a71e-136f2cc38996

Was lernen wir daraus? Machen Sie keine Witze über die Werra-Weser-Versalzung, es könnte jemand die Phantasie entwickeln, wie man alles noch viel schlimmer machen könnte.

Organisiertes Behördenversagen …

… oder: Der Umgang mit industriellen Abfällen und die Daseinsvorsorge

Wer denkt, dass der Umgang der K+S AG mit ihren Abfällen zu einer der schlimmsten Umweltverschmutzungen geführt, der hat einigen Grund, sich bestätigt zu fühlen. Die Entsorgungspraxis des Unternehmens hat tatsächlich katastrophale Auswirkungen auf die Umwelt:

  • Vernichtung von Trinkwasservorkommen in den Versenkgebieten und im Grundwasser der Flüsse Werra und Weser bis nach Bremen
  • Belastung des Grundwassers im Kalirevier mit Salzabfällen und Schwermetallen
  • Vernichtung der Süßwasser-Lebensgemeinschaft in der Werra und ihre Schädigung in der Weser

Seit spätestens 2012 kann nicht mehr vertuscht werden, dass die Versalzung von Werra nicht notwendig ist, um Kalidünger herzustellen. Eine abstoßfreie Kaliproduktion ist technisch und wirtschaftlich möglich. Trotzdem dulden die zuständigen Behörden die umstrittene Entsorgungspraxis der K+S AG und nehmen deren Folgen hin. Man geht sogar so weit, die Umsetzung der EU-Wasserrahmenrichtlinie zu verhindern.

Es kann aber noch viel schlimmer kommen…