Corona macht es möglich….

… dass Sie diesmal nicht Ihren Sommerurlaub opfern müssen, um Einwendungen gegen die Versalzung von Werra und Weser durch die K+S AG zu erheben. Die aktuellen Anträge des Unternehmens können bereits jetzt eingesehen werden. Der „Kasseler Umweltfrieden“, den das Unternehmen der Klagegemeinschaft der Werra-Weser-Anrainer angeboten hatte, stellt sich uns mit diesen Anträgen als „Kasseler Umweltheuchelei“ dar.

von Walter Hölzel

Die wasserrechtlichen Erlaubnisse für die Einleitung von Halden- und Produktionsabwässer der K+S AG in die Werra laufen aus. Ausserdem muss bis Herbst 2021 ein neuer Bewirtschaftungsplan für die Flussgebietseinheit Weser aufgestellt werden. Um die FGE Weser weiterhin für die Ableitung der Abwässer nutzen zu können, hat die K+S Minerals and Agriculture GmbH, Werk Werra, als Betreiberin , neue wasserrechtliche Erlaubnisse beantragt. Die Antragsunterlagen finden Sie ab heute auf der Website des Regierungspräsidiums Kassel, https://rp-kassel.hessen.de/umwelt-natur/kaliindustrie

Beantragte Grenzwerte für die Parameter Chlorid, Kalium und Magnesium

Zeitraum20212022 – 202520262027
Chlorid2.5002.2702.0501.950
Kalium200200184170
Magnesium340335300280

Ausserdem nennt die Antragstellerin „Zierwerte“ für diese Parameter. Wegen deren fehlender Rechtsverbindlichkeit gehe ich auf diese Werte nicht ein.

Die beantragten Grenzwerte lassen erkennen, …

  • dass die Antragstellerin bis zum Abschluss der Umsetzungsphase der EU-Wasserrahmenrichtlinie im Jahre 2027 keine Anstrengungen unternimmt, um deren Qualitätsziele auch nur ansatzweise anzustreben,
  • dass sich die Annahme bestätigt, der zwischen dem Hessischen Umweltministerium und der K+S AG vereinbarte „Vierphasenplan“ könne die die ökologische Situation von Werra und Weser nicht verbessern, sondern verstetige den Zusammenbruch der Süßwasserbiozönose,
  • dass die für 2027 beantragten Grenzwerte immer noch höher liegen, als die von K+S für das Jahr 2015 zugesagte „Halbierung der Salzbelastung“ mit einem damit möglichen Chloridgrenzwert von 1.250 mg/l.

Wie geht es weiter?

Zugegeben, die Erfahrungen der letzten Monate nähren nicht die Hoffnung, dass die hessische Genehmigungsbehörde diesmal die Argumente der betroffenen Anrainer berücksichtigen wird. Trotzdem möchte ich Sie bitten, auch diesmal Ihre Argumente vorzutragen. Die Behörde kommt Ihnen entgegen und hat diesmal die Antragsunterlagen nicht in der Sommerferienzeit offen gelegt….

Ich weise schon einmal darauf hin, dass ich Kenntnis von einer Dissertation habe, die geeignet erscheint, die Einlassungen der Antragstellerin zu dem Schutzgut Wasser (Tiere, biologische Vielfalt..) zu widerlegen. Ich hoffe, dass die Dissertation noch rechtzeitig veröffentlicht wird, damit wir sie zitieren können. Ich melde mich dann bei Ihnen.

Grönlandeis für Gerstungen

Grönland will gegen den Anstieg des Meeresspiegels vorgehen und sein Gletscherwasser verkaufen, teilte Vittus Qujaukitsoq, Minister of Finance, Mineral Resources, Climate and Water in Cubes mit. Man habe einen langfristigen Liefervertrag mit dem Kali- und Salz-Produzenten K+S geschlossen (1).

Experten der K+S AG prüfen die Qualität des Grönlandeises

von Walter Hölzel

Das Gletschereis soll zunächst bergmännisch abgebaut und an an mehr als einem Dutzend „hot points“ mit Geoenergie aufgeschmolzen werden. „Damit endet unsere Leistung“ liess der Minister vernehmen. K+S werde für das Gletscherwasser eine Unterwasserpipeline nach Wilhelmshaven bauen („Atlantikstream 3.0“) und von dort weiter verteilen.

Der K+S-Sprecher Titus Morgenthau bestätigte den Kauf. „Wir haben schon 2017 eine Vereinbarung mit der Gemeinde getroffen und werden dort die Trinkwasserversorgung sicherstellen. Wir sind zwar nicht verantwortlich dafür, dass die Gemeinde Gerstungen ihr Trinkwasser so schnell aufgetrunken hat. Wir spüren aber große Sympathie für Unsere Gemeinden im Werratal. Als Gegenleistung hat Gerstungen zugesagt, nicht mehr schlecht über Uns zu reden. Unsere Experten prüfen gerade, an welchen Wochentagen Wir Gerstungen mit frischem Gletscherwasser beliefern können. Wir ernähren die Welt und verbinden wieder einmal Ökonomie und Ökologie zu einem Ganz Großen Ganzen.“

Vom Bau einer Atlantikpipeline will K+S aber nichts wissen. „Da hört sich doch alles auf! Wenn Gerstungen Wasser will, dann muss Gerstungen sich das Wasser holen. Für die eigene Infrastruktur muss die Gemeinde schon selbst sorgen“, stellt Morgenthau klar.

Synergie-Effekte

Eine Pipeline ist eine lange Stange, die innen hohl ist. Sie eignet sich hervorragend, um Flüssigkeiten aller Art zu transportieren. Dies ist eine Technologie, die K+S beherrscht! (Pixabay)

Der BUND-Experte Jan Karl Thyssen zeigte sich begeistert. „Mit der von mir entwickelten tube-in-tube-Technologie lassen sich weitere Potenziale schöpfen. Das innen liegende Rohr kann das Gletscherwasser aus Grönland aufnehmen, während in dem umhüllenden Rohr das Abwasser der K+S AG aus dem Werratal nach Grönland geleitet wird. Dort ist das Meerwasser durch Schmelzwasser aus den tauenden Gletschern ohnehin bis an die Grenze des für Dorsche Erträglichen verdünnt. Grönland wird gerne bereit sein, die Aufkonzentrierung des Meerwassers zum Schutz der heimischen Fischbestände angemessen zu honorieren!“

„Mehr noch,“ so Thyssen weiter, „die Pipeline hat bis Grönland ein Gefälle von mehr als 150 Meter. Mit der Strömungsenergie lässt sich über Turbinen elektrischer Strom gewinnen und für den Betrieb von Windparks nutzen. Es weht nicht überall Wind, aber alle wollen die lustigen Räder! Dabei reden wir noch nicht davon, dass die Nordseepipeline weitere Abwässer aus ganz Deutschland aufnehmen könnte.“

Diplomatische Verstimmung

Sicherung der Rohstoffe (Pixabay)

In den USA hat der Deal Verärgerung ausgelöst. Donald Trump, der im August 2019 das Grönland-Wasser noch selbst kaufen wollte, lies ein verbittertes Twitter-Gewitter los:

#watergate pic.twitter.com/pTe2St=7f8, Congratulations! I don’t like this water, it stinks. The water from greenland ist brown and stinky, my wife Melania told me. Because of icebears peeing around in this country. So poor! Donald J. Trump (@realstablegenius) March 31, 2020

Hintergrund

Durch den Klimawandel schmelzen die Gletscher immer schneller. Jetzt hat eine neue Studie herausgefunden, dass Grönland jedes Jahr 272 Milliarden Tonnen Eis verliert.

Der größte Teil von Grönland liegt unter einer dicken Eisdecke begraben. Diese Eisdecke heißt Grönländisches Eisschild. Schon seit vielen Jahren schmilzt dieser Eisschild. Das liegt am Klimawandel. Das heißt vor allem,.dass es in den untersten Luftschichten der Atmosphäre immer wärmer wird. Und durch die höheren Lufttemperaturen schmilzt das Eis.Die neue Studie zeigt nun, dass die Eisberge in Grönland schneller schmelzen als bislang angenommen. Ein Team von Forscherinnen und Forschern aus vielen Ländern der Welt hat entdeckt, dass Grönland in jedem Jahr 272 Milliarden Tonnen Eis verliert. Vor der neuen Studie war man von einer kleineren Zahl ausgegangen. Ältere Berechnungen lagen nur bei 253 Milliarden Tonnen Eis pro Jahr. “

Wie haben die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler das herausgefunden? Sie haben ermittelt, wie stark sich die Erdkruste unter dem Eisschild anhebt. Dadurch konnten sie die Dicke des Eisschildes genauer bestimmen. Aus diesen Daten ergibt sich die neue Zahl von 272 Milliarden Tonnen Eis, die in Grönland jedes Jahr wegschmelzen. (2)

Endnoten

(1) https://www.zeit.de/wissen/umwelt/2020-02/wassermangel-groenland-schmelzwasser-klimawandel-verkauf

(2) https://www.bmu-kids.de/aktiv/aktuelles/wissen-in-zahlen/zahl/272-milliarden-tonnen-eis-verliert-groenland-im-jahr/