Aktuell: „Kaliforschung im Dienste des Umweltschutzes“

Desinformation, Greenwashing, Alternative Fakten und Medienmanipulation

Haldenfuß einer der kleinen K+S-Reststoffhalden, die sich verstreut im Werratal finden. Die Abwässer laufen über den Berghang. Was nicht versickert, gelangt in einen Vorfluter und dann in die Werra. Eine Basisabdeckung ist nicht zu erkennen. Versickernde Haldenlaugen haben im Werrarevier das Grundwasser mit Salzen und Schwermetallen verunreinigt.

Teil VII: Der Verursacher der europaweit schlimmsten Versalzung von Grund- und Oberflächenwasser feiert sich mit Greenwashing.

von Walter Hölzel

Fuldainfo gibt dem Vorstandsvorsitzenden der K+S AG, Burckhardt Lohr, in einem aktuellen Beitrag die Gelegenheit, sein Unternehmen in bestem Licht darzustellen (1). Er sieht es in der Tradition einer hundertjährigen Kaliforschung, mit der es immer effizientere Aufbereitungsverfahren entwickelt habe.

„Wie Zahnräder eines Getriebes greifen die Teilbereiche der Kaliforschung ineinander und liefern gemeinsam wichtige Beiträge für eine umweltverrägliche und nachhaltige Produktion.“

Umweltverträglich?

Das sind große Worte für ein Unternehmen, das für die Versalzung des Grundwassers und der Flüsse Werra und Weser verantwortlich zeichnet.

Aber sehen wir weiter. Besonders die elektrostatische Trennung („ESTA-Verfahren“) scheint es Herrn Lohr angetan zu haben:

„Der besondere Vorteil dieses Verfahrens ist die trockene Aufbereitung der Salze ohne Produktionsabwasser.“

An dieser Aussage stimmt jedes Wort. Allerdings vergißt Herr Lohr zu erwähnen, dass sein Unternehmen für jede Tonne mit dem ESTA-Verfahren gewonnenen Wertstoffs drei Tonnen Salzabfälle auf Rückstandshalden ablagert. Dort entstehen für jede Tonne Wertstoff ca. zehn Kubikmeter Abwässer, die jetzt „Haldenlaugen“ genannt und in die Werra geleitet werden. Sie sind verantwortlich für den schlechten ökologischen und chemischen Zustand der Flüsse Werra und Weser. Versickernde Haldenlaugen haben auch zu einer erheblichen Belastung des Grundwassers mit Schwermetallen geführt. Ohne das ESTA-Verfahren „ohne Produktionsabwasser“ gäbe es diese Abwässer nicht. K+S beabsichtigt nicht, die Versalzung der Werra mit Haldenlaugen zu beenden. Umweltverträglich?

Nachhaltig?

Fassen wir uns kurz: 2012/2014 hat die K-UTEC AG mehrere Verfahren vorgestellt, mit denen im Werrarevier eine abstoßfreie Produktion möglich ist. Es müssen weder Produktions- noch Haldenabwässeran die Umwelt abgestoßen werden. Das verstehen wir unter „abwasserfrei“. Die vorgestellten Verfahren sind deshalb lukrativ, weil K+S, wie die K-UTEC AG betonte, jährlich ca. 500.000 Tonnen Wertstoffe mit einen Wert von 100 Mio. Euro mit seinen Abwässern vernichtet. Nachhaltig?

Was lernen wir?

Zunächst und vor allem, dass auch eine Halbwahrheit nichts anderes ist als eine ganze Unwahrheit.

Wir greifen die Anregung auf und werden demnächst eine Blogserie über die Ergebnisse der hundertjährigen Kaliforschung starten. Vielleicht stellt sich dabei heraus, dass K+S der Entwicklung – zumindest was deren Anwendung angeht – um Jahrzehnte hinterher hinkt.

Anmerkung

(1) Fuldainfo, 28.10.2019, 100 Jahre Kaliforschung – mehr als die Kunst des Kali-Kochens. https://www.fuldainfo.de/100-jahre-kaliforschung-mehr-als-die-kunst-des-kali-kochens/

Die Aufhaldung von Rückständen der Kali-Industrie ist technisch und wirtschaftlich nicht erforderlich, der Rückbau der Halden ist wirtschaftlich zumutbar

Die K+S-Rückstandshalde bei Neuhof-Ellers ist instabil. Sie sehen großflächige Abrutschungen. Das Unternehmen hat uns noch nicht plausibel erklärt, wie es auf derart instabilen Halden langzeitstabile Abdeckungen bauen will. Der neu errichtete Damm am Haldenfuß soll wohl verhindern, dass abrutschende Haldenflanken Betriebsinfrastuktur in Neuhof-Ellers zerstören.

Teil IV – Salz-Reststoffhalden als Ewigkeitslast? Vervielfachung ihrer Schadstofffracht durch „Abdecken“ mit Industrieabfällen, unter dem Vorwand, damit den Anfall von Haldenlaugen zu verringern? Wir wissen, dass dies alles nicht erforderlich ist.

von Walter Hölzel

Wir haben gesehen, dass die kurz- und langfristigen Umweltschäden durch die Salz-Rückstandshalden es erforderlich machen, diese Halden wieder zu beseitigen. Wir haben weiter gesehen, dass wir nicht die Hoffnung haben können, die Schäden seien durch Abdeckung der Halden zu vermindern. Bei der Verwendung von belasteten Abfällen zur Haldenabdeckung müssen wir vielmehr davon ausgehen, dass sich die Umweltschäden vervielfachen werden.

Es ist bekannt, dass die Rückstandshalden des Bergbaus durch Versatz in untertägige Hohlräume beseitigt werden können. Ein Kalibergbau mit Versatz der Reststoffe bietet viele Vorteile. Im Bergwerk Bleicherode werden diese Vorteile ausgeschöpft, indem der Versatz mit dem Rückbau der Stützpfeiler kombiniert wird. So erreicht man

  • eine höhere Extraktionsrate pro Flächeneinheit,
  • eine bessere geomechanische Stabilisierung,
  • die Verlängerung der Lebensdauer von Feldesteilen,
  • eine längere Nutzung der Infrastruktur unter Tage,
  • die Minimierung der Rückstände und
  • eine verbesserte Wetterführung (1).

Die Vorabtrennung unter Tage ist Stand der Technik

Am sinnvollsten ist es allerdings, die Reststoffe gar nicht erst nach über Tage zu bringen, sondern bereits unter Tage abzutrennen und dort sofort zu versetzen.

Diesen Vorschlag hat die K-UTEC AG schon 2008 in ihrem Betriebsplan für die Grube Roßleben gemacht (2). Mit diesem Konzept kann man vermeiden, dass 75% der Gesamtmenge an die Oberfläche verbracht, aufgehaldet und über hunderte von Jahren irgendwie behandelt werden muss – ohne dass es bisher gelingt, die Umweltauswirkungen zu vermindern. Unter Tage dagegen garantieren die versetzten Reststoffe die Bergsicherheit und sie vereinfachen und verbilligen die Bewetterung und die Logistik.

Im Werrarevier eignet sich hierfür die elektrostatische Abtrennung (ESTA-Verfahren), die dort von der K+S Kali GmbH mit inzwischen zwei Anlagen betrieben wird. Wo die elektrostatische Abtrennung möglich ist, da kann sie auch unter Tage angewendet werden. Am so genannten „Runden Tisch Werraversalzung“ hat die WWA vorgeschlagen, eine weitere ESTA-Anlage unter Tage zu errichten. Der damalige Leiter F+E der K+S AG, Stahl, hatte zugestanden, dass der hierfür benötigte Hohlraum von ca. 60 Meter Höhe problemlos errichtet werden könne.

Die K+S AG hat tatsächlich eine weitere ESTA-Anlage gebaut, allerdings nicht unter Tage. Deshalb wird sich das Halden- und das Abwasservolumen verdoppeln. Für die daraus entstehenden Probleme bietet das Unternehmen keine plausible Lösung an.

Der Rückbau der Reststoffhalden ist wirtschaftlich zumutbar

Aus Angaben des Regierungspräsidiums Kassel lassen sich Kosten für den von dem Unternehmen bereits (in kleinem Umfang) betriebene Versatz von Reststoffen entnehmen bzw. errechnen. Sie betragen zwischen 4,40 und 8 Euro pro Tonne (3). Dabei sind die Einsparungsmöglichkeiten für einen in großem Umfang und rationell betriebenenVersatz noch nicht berücksichtigt.

Es ist unbestritten, dass der Versatz der drei Reststoffhalden eine beträchtliche Summe erfordern wird. Er wird allerdings auch Arbeitsplätze im Werrarevier sichern. Wir können auch nicht übersehen, dass K+S allein mit dem untertägigen Betrieb der ESTA-Anlage die Hälfte der Rückbaukosten hätte einsparen können. Das Unternehmen war nicht gezwungen, seine Abfälle über Tage abzulagern und dies gegen jede bessere Einsicht fortzusetzen. Das Verursacherprinzip verlangt, dass die K+S AG die angerichteten Schäden durch Rückbau der Halden auf eigene Kosten beseitigt. Die Aufarbeitung der Abwässer mit dem K-UTEC-Verfahren (2014), die einen Jahresgewinn von mindestens 100 Mio. Euro erwarten lässt, könnte den Rückbau der Halden im Werra-Fuldatal finanzieren und immer noch Gewinn abwerfen.

Wir empfehlen deshalb, die abstoßfreie Kaliproduktion nach K-UTEC (2014) mit dem Rückbau der Salzhalden zu verbinden.

Anmerkungen

(1) Marx et al., Überlegungen zur abstoßreduzierten bzw. abstoßfreien Produktion von Salzen, Kassel 18.09.2012 https://ia601508.us.archive.org/24/items/kutecrtseptember2012/K-UTEC%20RT%20September%202012.pdf , Folie 24

(2) K-UTEC AG, Betriebsplan des Florett-Konsortiums für die Grube Roßleben, Sondershausen 2008

(3) RP Kassel, Pilotprojekt Werra-Salzabwasser, Endbericht Januar 2007, S. 33 https://ia601509.us.archive.org/29/items/pilotprojektwerrasalzabwasserendbericht/Pilotprojekt%20Werra-Salzabwasser%20Endbericht.pdf

Die Besatzung der Titanic hofft auf eine technische Lösung, die es unnötig macht, dem Eisberg auszuweichen

Und: In Hessen taugen die Grundsätze der Umweltpolitik auch dazu, mit verdorbener Wurstmasse umzugehen.

Ein verzinkter Laternenpfahl ca. 1,5 km von der K+S-Salzhalde bei Heringen entfernt. Die rostige Seite ist der Halde zugewandt, sie zeigt die Einflüsse der Salzverwehungen. Inzwischen sind die verzinkten Laternenpfähle durch Aluminiumpfähle ersetzt worden.

Teil III – Hessen: Weitreichende Zugeständnisse, Greenwashing und fiktive Problemlösungen. Die Salzhalden sollen auf das doppelte Volumen anwachsen, die Flüsse und das Grundwasser bleiben auf der Strecke. Die Umweltministerin verspricht uns Süßwasser.

von Walter Hölzel

Wir haben kürzlich erfahren, dass die bündnisgrüne Landtagsfraktion in Hannover den Rückbau der dortigen Salzhalden fordert. Sie lehnt auch die Neuanlage von Rückstandshalden ab, weil sie nicht dem Stand der Technik entspricht (1). Es sei möglich und sinnvoll, diese Altlasten der Kali-Industrie gar nicht erst entstehen zu lassen. Diese Position vertritt die Werra-Weser-Anrainerkonferenz seit Jahren.

In Hessen sind die Verhältnisse ganz anders. Die Umweltministerin Priska Hinz (B’96/Die Grünen) hat sich mit ihrem Vierphasenplan aus dem Jahre 2014 nicht nur mit der Verpressung von Abfalllaugen in den Untergrund und deren Einleitung in die Werra einverstanden erklärt, sondern auch mit der Verdoppelung der Rückstandshalden. Deren Abwässer, die sich dann ebenfalls verdoppeln werden, verhindern, dass in der Werra und in der Oberweser die Umweltziele der EU-Wasserrahmenrichtlinie auch nur im Ansatz erreicht werden können. Die Abhilfe? Die Lösung der Probleme wird mit fiktiven Vorschlägen auf die Zukunft verschoben, offene Widersprüche verleugnet.

Druckmittel

Das mit dem Vierphasenplan akzeptierte Entsorgungskonzept der K+S Kali GmbH hatte allerdings schon früh mit Schwierigkeiten zu kämpfen. Es mag die billigste Möglichkeit für die Betriebe im Werratal darstellen, sich ihrer Abwässer zu entledigen, aber es hat entscheidende Nachteile. Aus dem Untergrund steigen verpresste Abwässer wieder an die Oberfläche und von den Halden dringen Abwässer direkt in den Boden und in die Vorfluter. Sie gelangen als „diffuse Einträge“ schließlich in die Werra und können deren Aufnahmefähigkeit für Produktionsabwässer einschränken. Das hat seit 2015 regelmäßig zu angeblichen Entsorgungsnotständen geführt, die Produktionseinschränkungen nötig gemacht haben sollen (2).

Die Notstandsfiktion schien allerdings von Beginn an nicht sehr überzeugend zu sein. Zum Zeitpunkt der ersten Betriebsdrosselung im Jahre 2015 war nämlich der Salzgehalt der Werra gering (3), der Wasserstand der Werra hoch (4) und die Stapelbecken keineswegs gefüllt (5).

Damals gab es aber weltweite Absatzschwierigkeiten für Kalidünger, weil in den Vorjahren die Produktion massiv ausgeweitet worden war. Man hat vermutet, dass die K+S AG die Absatzschwierigkeiten nutzen wollte, um ohne Risiko politischen Druck auszuüben (6), (7), (8). Das Unternehmen hatte nämlich die Erlaubnis zur Fortsetzung der Laugenverpressung beantragt und musste befürchten, diese Erlaubnis nicht zu erhalten. Die hessischen und thüringischen Fachbehörden hatten gewarnt, dass sich das Grund- und Trinkwasser weiter verschlechtern würde.

Retter in der Not

Auch in den folgenden Jahren bis 2018 klagte das Internehmen über angeblich notwendig gewordene Drosselungen der Produktion. Die K+S AG schien aber immer noch keinen Anlass zu sehen, den Abstoß von Salzlaugen zu verringern, indem es in wirkungsvolle Aufbereitungstechnik investiert. Die 2018 von K+S in Betrieb genommene KKF-Anlage war offenbar ungeeignet – auch 2018 gab es wieder einen „Notstand“.

Schließlich haben die Standortländer Thüringen und Hessen dem Unternehmen Auswege angeboten. Das Land Thüringen will der K+S AG erlauben, ihre Produktionsabwässer in der Grube Springen II „einzustapeln“, also dauerhaft einzulagern. Die Abwässer sollen zuvor in geringem Umfang „aufkonzentriert“ werden, um die Gefahr zu vermindern, dass die Stützpfeiler aufgelöst werden. Es sind allerdings nicht Löseprozesse, welche die Bergsicherheit gefährden, sondern chemische Reaktionen des Wasseranteils mit Bestandteilen der Lagerstätte (9), (10).

Das Land Hessen hat der K+S AG sogar erlaubt, nicht vorbehandelte Abwässer „temporär“ in Salzstollen einzulagern. Das hatten die hessischen Behörden bislang aus Sicherheitsgründen ausgeschlossen (11).

Die unvermeidlichen Folgen werden wieder einmal die Anrainer in Hessen und Thüringen zu tragen haben.

Die fortgesetzte Belastung der Flüsse wird verschwiegen und grün gewaschen…

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Viel Staub aufgewirbelt

Wie geht man mit den Rückstandshalden der Kali-Industrie um?

Verwehung von Salzstäuben an einer Kali-Reststoffhalde

Teil II – Niedersachsen aktuell – Die Bestrebungen der Kali-Industrie, ihre Rückstandshalden zu erweitern, neue Halden anzulegen und bestehende Halden als Deponiefläche für belastete Industrieabfälle zu verwenden, haben viel Staub aufgewirbelt. Betroffene Anrainer und Verbände in Niedersachsen haben sich im September zum „Aktionskreis Kali und Salz“ zusammen geschlossen.

von Walter Hölzel

Der Aktionskreis fordert, die Produktion so umzustellen, dass keine Rückstandshalden mehr angelegt, die Salzaufhaldung eingestellt und die bestehenden Halden durch Versatz beseitigt werden (1), (2).

Keinesfalls sollen die bestehenden Halden benutzt werden können, um unter dem Vorwand ihrer „Abdeckung“ als Deponieflächen zur Entsorgung von Industrieabfällen benutzt zu werden.

Bei der Produktion sollen die Umweltziele der EU-Wasserrahmenrichtlinie erreicht und bei bestehenden Schäden das Verursacherprinzip angewendet werden. Boden und Gewässer sind auf Kosten des Verursachers zu sanieren.

Der Aktionskreis Kali und Salz weist darauf hin, dass die Rückstandshalden in Deutschland zu Unrecht nach dem Bergrecht mit seinen minimalen Anforderungen an Nachhaltigkeit und Umweltschutz genehmigt werden. Da es sich um Endprodukte von chemischen Umsetzungen handelt, müsse das Deponierecht angewendet werden.

Die WWA e.V. unterstützt die Forderungen des Aktionskreises

Die Werra-Weser-Anrainerkonferenz ist darüber hinaus der Ansicht, dass schon das Wasserhaushaltsgesetz in Verbindung mit einem Urteil des EuGH die Ablagerung von Salzrückständen ausschließt (3), (4).

Die Forderungen des Aktionskreises würden das Aus bedeuten für eine Kali-Industrie mit maximaler Inanspruchnahme der Umweltressourcen. Sie wären aber nicht das Ende der Kaliproduktion. Sie würden vielmehr die Möglichkeit eröffnen, in moderne und wirksame Verfahren für eine abstoßfreie Produktion zu investieren. Die Aufarbeitung der Abwässer nach K-UTEC (2012-2014) würde die Gewinnung zusätzlicher Wertstoffe ermöglichen.

Umwelt- und Klimaschutz lassen sich gemeinsam erreichen

Jede Tonne der zusätzlich gewonnenen Wertstoffe würde die Förderung und Aufarbeitung von vier Tonnen Rohsalz unnötig machen. Die abstoßfreie Produktion schont nicht nur die Umwelt, sie erhöht auch die Produktivität und vermindert den Energiebedarf pro Tonne Wertstoff.

Kali-Fusion hat mindestens 1,15 Mrd. Euro gekostet – was gibt K+S zurück?

Für die umstrittene Fusion der ost- und westdeutschen Kali-Industrie Anfang der 1990er Jahre haben allein die Treuhandanstalt und ihre Nachfolgegesellschaft mehr als 1,15 Milliarden Euro ausgegeben. Das geht aus einer Antwort des Bundesfinanzministeriums auf eine Anfrage der Bundestagsfraktion der Linken hervor, die der Deutschen Presse-Agentur vorliegt. Von der Summe entfielen danach mehr als 111 Millionen Euro auf Umweltschäden aus der Vergangenheit. Es handele sich bei dem Gesamtbetrag nicht ausschließlich um Zahlungen, die an die Kali und Salz GmbH beziehungsweise die K+S AG (Kassel) geleistet wurden, teilte die parlamentarische Staatssekretärin Bettina Hagedorn mit. Über eine Gesamtübersicht aller Mittel des Bundes und der Treuhandanstalt beziehungsweise ihrer Nachfolgerin verfüge die Bundesregierung nicht, heißt es in der Antwort.(5)

Das Geld ist aufgewendet worden für die Abwicklung der mitteldeutschen Kali-Industrie und – wenn auch „nicht ausschließlich“ – für die Förderung der K+S AG. Das Unternehmen hat deshalb in Deutschland keine nennenswerten Konkurrenten mehr. Die Sanierung von Umweltschäden wurde dem Unternehmen nicht zugemutet, das ist staatliche Aufgabe.

Eine moderne Kaliproduktion ist natürlich nicht zum Nulltarif zu haben. Aber die aufzuwendenden 800 Mio. Euro würden sich schon innerhalb von 8 Jahren amortisieren. Danach rechnet K-UTEC mit einem Jahresgewinn von 100 Mio. Euro, nur aus der Aufbereitung der Abwässer im Werratal. So viel Verantwortlichkeit sollte man der K+S AG schon zumuten dürfen.

Anmerkungen…

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Wie geht man mit den Rückstandshalden der Kali-Industrie um?

Ohne Versatz der Salzrückstände bleiben das Grundwasser und die Flüsse auf unabsehbare Zeit versalzen

Eine der verstreut im Werratal liegenden Reststoffhalden der K+S AG. Die Abwässer laufen den Berg hinunter und gelangen über einen Vorfluter in die Werra.

Teil I – Niedersachsen aktuell – B’90/Die Grünen wollen den Rückbau der Salzhalden

von Walter Hölzel

Das niedersächsische Bergrecht schreibt vor, dass Kaliabbaue (=Rückstände der Förderung und der Aufbereitung von Rohsalzen) innerhalb gesetzter Fristen wieder versetzt werden müssen. Sie sollen also wieder in diejenigen untertägigen Hohlräume eingebaut werden, aus denen die Rohsalze gewonnen wurden (1).

Schwermetalle im Grundwasser

Das ist auch sinnvoll, weil sie sonst übertägig zu Altlasten anwachsen, deren Abwässer („Haldenlaugen“) das Grundwasser und die Oberflächengewässer versalzen. Die mit den Rückstandshalden erzeugten Probleme gehen aber noch weit darüber hinaus. In Hessen und Thüringen haben Haldenlaugen zu einem Eintrag von Schwermetallen in das Grundwasser geführt:

„Die K+S KALI GmbH betreibt am Standort Hattorf eine Rückstandshalde. Im Zuge der Überwachung wird das Grundwasser sowie an der Oberfläche austretendes Quellwasser im Umfeld der Halde beprobt. Die be­probten Wässer zeigen neben hohen Salzkonzentrationen auch zum Teil Schwermetallkonzentrationen, die weit über den zur orientierenden Bewertung herangezogenen Geringfügigkeitschwellen (GFS) gemäß LA­WA-Publikation 2004 „Ableitung von Geringfügigkeitsschwellenwerten für das Grundwasser“ liegen. Insbe­sondere betrifft das die Nickel-, Cadmium-, Blei- und Zinkbelastung des Grundwassers. Es ist nachgewie­sen, dass durch den Eintrag des Haldensickerwassers in den Untergrund das Grundwasser, insbesondere das Grundwasser im schwebenden Grundwasserleiter (SGWL), lokal geschädigt ist“. (2)

Die Entnahme von Grundwasser wurde deshalb untersagt (3), (4), (5). Das Problem ist seit mindestens 2011 bekannt (6), Abhilfe scheint dort nicht möglich oder beabsichtigt zu sein.

Auch Haldenlaugen der K+S-Rückstandshalde in Zielitz (Sachsen-Anhalt) zeigen hohe Schwermetallkonzentrationen, wie Messungen in den umliegenden Vorflutern zeigen. Dort ist die Umweltsqualitätsnorm nach RL 2008/105/EG für Quecksilber um das 27-fache und für Blei um das 20-fache überschritten (7). Es verwundert deshalb nicht, dass auch die Sedimente der beprobten Vorfluter extrem hohe Schwermetallgehalte zeigen. Nach Ansicht des NABU liegen deshalb „Rechtsverstöße mit entsprechender Handlungserfordernis“ vor.

Betroffenen Anwohnern von Kali-Rückstandshalden ist deshalb anzuraten, eine Beprobung der Grundwasser- und Oberflächenwasserkörper im Umkreis der Halden und die Untersuchung auf Schwermetalle zu verlangen.

Niedersachsen hat die Versatzpflicht nicht genutzt

Die Aufhaldung von Salzrückständen als Alternative zum Versatz muss in Niedersachsen beantragt und genehmigt werden. Das ist offenbar regelmäßig geschehen, so dass sich das Land nun mit den Altlasten der Kali-Industrie auseinander setzen muss. Die Landesregierung möchte die bestehenden Rückstandshalden mit mineralischen Abfällen abdecken lassen, auch weil die Deponiekapazitäten für derartige Abfälle knapp werden. Davon sind in Niedersachsen sieben Rückstandshalden betroffen. Bei Nutzung von Abfällen zur Abdeckung der Salzhalden wird aus entsorgungspflichtigem Bauschutt ein „Abfall zur Verwertung“, für den geringere Umweltauflagen gelten.

Die niedersächsische Landesregierung verspricht sich (und uns), mit der Abdeckung der Halden auch die Salzbelastung des Grundwassers entscheidend verringern zu können. Solche Haldenabdeckungen sind aber keineswegs wasserdicht. Unter besten Voraussetzungen kann eine Verringerung der Haldenlaugen um allenfalls 80% erreicht werden. Dazu müsste die Abdeckung dauerhaft standfest sein. Aber auch die relativ flachen Halden in Niedersachsen zeigen bereits jetzt bedeutende Abrutschungen und Rissbildungen (8), so dass eine standfeste und dichte Haldenabdeckung als wenig wahrscheinlich erscheint.

Nicht standfeste Haldenabdeckungen müssen für unabsehbare Zeit ständig saniert werden, weil sie undicht werden und abrutschen können. Die Sanierungskosten dürften – gemeinsam mit den angerichteten Schäden – die Kosten für den Versatz der Kaliabbaue um das Mehrfache überschreiten. Es bleibt dabei: die beschriebenen Probleme der Rückstandshalden lassen sich nur durch deren Rückbau und Versatz in die untertägigen Hohlräume lösen.

Das will jetzt auch die Fraktion B’90/Die Grünen im niedersächsichen Landtag erreichen….

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