Was können wir tun?

Desinformation – Greenwashing, Alternative Fakten und Medienmanipulation Teil VI

Vortrag, Klimastreik der Fridays4Future-Bewegung, Kassel 21.09.2019

von Walter Hölzel

Wer sich mit Umwelt- und Klimaschutz beschäftigt, muss sich mit wohlorganisierten Desinformationskampagnen auseinandersetzen. Die gute Nachricht: man kann deren Schwachstellen erkennen. Und: Wer sich erwischen lässt, der hat seine Glaubwürdigkeit verloren, denn es wäre jederzeit möglich, auf Desinformation zu verzichten…

Noch einmal Marina Weisband (a.a.O.):

Angesichts von solchem Irrsinn trauen viele Menschen mittlerweile manchmal ihren eigenen Augen und Ohren nicht. Doch gerade das ist es, was Leute wie Donald Trump beabsichtigen. Es ist ein Kampf gegen die Vernunft. Die Wahrnehmung ist das, worüber die Menschen die Kontrolle haben. Sie sinnvoll einzusetzen, lehrte die Aufklärung. Der Versuch, sie den Menschen wegzunehmen, ist also ein antiaufklärerischer Akt. Die Mitglieder einer freien Gesellschaft müssen sich jeden Tag gegenseitig aus Neue versichern, dass dieser Irrsinn nicht normal ist. Dass Lügen Lügen sind. Dass wir als Gesellschaft bestimmte Prinzipien haben, über die wir nicht diskutieren und deren Infragestellung nicht von der Meinungsfreiheit gedeckt ist.“

Wenn es tatsächlich so ist, dass die antiaufklärerische Desinformation uns am Denken hindern und uns den Mut nehmen will, der eigenen Wahrnehmung zu vertrauen, dann müssen wir an genau dieser Stelle ansetzen. Aufklärung ist nach wie vor notwendig.

Damit werden nicht immer durchschlagende Erfolge erreicht, manchmal bleiben selbst kleine Erfolge aus. Die Erfahrung zeigt aber auch, dass es möglich ist, beachtliche Wirkungen zu erzielen. Darauf haben die Autorinnen Laure Cwiertnia und Petra Pinzler in einem Essay hingewiesen, der in der Zeit erschienen ist:

So schrieb die Meeresbiologin Rachel Carson Anfang der 1960er-Jahre in ihrem Arbeitszimmer ein Buch mit dem Titel Der stumme Frühling. Darin warnte sie vor Pestiziden, die das Summen der Insekten und das Zwitschern der Vögel für immer beenden würden. Carson selbst starb wenig später an den Folgen eines Herzinfarkts, aber ihre Gedanken blieben. Sie lösten eine erste Welle der Umweltbewegung aus, die das Denken unzähliger Menschen bis heute prägt und ein Grund dafür ist, dass es Naturschutzorganisationen gibt, umweltfreundliche Technologien und in vielen Ländern grün denkende Politiker.“

60 Jahre später setzt sich eine schwedische Schülerin auf den Bürgersteig und streikt und tritt eine nächste große Welle der Umweltbewegung los. Greta Thunbergs Protest schafft in diesen Tagen, was in unzähligen Konferenzen nicht gelungen ist: Er sorgt dafür, dass auf dem ganzen Globus junge Leute auf die Straße gehen und von ihren Regierungen verlangen, endlich den Klimawandel ganz oben auf die politische Agenda zu setzen.“

Beide Frauen, so unterschiedlich sie sein mögen, haben eines gemeinsam: Sie haben sich selbst vermutlich nie ausgemalt, welche Folgen ihre Taten haben.“ (1)

Auch in anderen Zusammenhängen sind Erfolge erzielt worden, mit denen man damals nicht gerechnet hat: bei dem durch Luftschadstoffe verursachten (ersten) Waldsterben, bei dem durch Fluorkohlenwasserstoffe verursachten Abbau der schützenden Ozonschicht, bei der Verklappung von Dünnsäure in die Nordsee (hier ist Greenpeace zur erstenmal in Aktion getreten).

Das sollte Hoffnung geben. Aber hier sehe ich FFF ohnehin auf einem guten Weg. Ich möchte deshalb die Frage „Was können wir tun?“ mit einem Gedicht beantworten, das Bertold Brecht 1949 in einem ganz anderen Zusammenhang geschrieben hat, das aber in merkwürdiger Weise auch auf die heutige Situation zuzutreffen scheint:

(...)
Voll der Geduld und auch unerbittlich
Das Richtige zeigend
Das Törichte mit Weisheit
Den Hass mit Freundlichkeit
Am gestürzten Haus
Die falsche Bauformel
Aber den Unbelehrbaren zeige
Mit kleiner Hoffnung
Dein gutes Gesicht.
Bertold Brecht 1949

Anmerkung

(1) https://www.zeit.de/wirtschaft/2019-09/umweltschutz-protest-aktivismus-klimaschutz-greta-thunberg