Priska Hinz erhält den Alternativen Nobelpreis (wieder) nicht

Wir fordern: den Literaturnobelpreis in der Kategorie Fake News/Kurzform an die hessische Umweltministerin für ihr Prosawerk „Verbesserung der Gewässerqualität in der Werra wird sichergestellt“ zu vergeben.

Filmaufnahmen an einer der kleinen, verstreut im Werratal liegenden K+S-Rückstandshalden

ein Hintergrundbericht von Walter Hölzel

Die Hessische Umweltministerin hat sich mit ihrem Einsatz für die Brackwasserfauna der Flüsse Werra und Weser für höchste Auszeichnungen empfohlen.

Viele Jahrzehnte der Abwassereinleitung durch die Kali-Industrie waren nötig, bis die unnatürliche Süßwasser-Lebensgemeinschaft der Werra endlich ihren Platz geräumt hatte. Der Getigerte Flohkrebs, die Neuseeländische Napfschnecke und ein sehr widerstandsfähiger Strudelwurm hatten endlich ihre Heimat in dem stabilen Ökosystem des Werra-Brackwassers gefunden.

Aber die Bedrohung war immer schon nahe. Als die thüringischen Kaliwerke geschlossen wurden, schien der Kampf für die Natur verloren, jetzt hing alles an dem hessischen Kalihersteller K+S und den dortigen Behörden. Sie haben uns nicht in Stich gelassen.

Gewissenlose und unsoziale Gemeinden verlangten, die Verpressung von Abwasser in den Boden zu verbieten, dabei waren doch nur natürliche Salze in ihr Trinkwasser gelangt! Diese Zumutung wäre fast das Ende für die Salzwasserflora in der Werraaue gewesen. Aber wenn die Not am größten ist, dann ist auch die Hilfe nahe: eilig hat die Naturschutzbehörde im Wartburgkreis die deutschlandweit bekannten Salzwasser-Aufstiegstellen mit ihrem unvergleichlichen Quellervorkommen unter Naturschutz gestellt. Diese Pflanze wächst sonst nur am Nordseestrand, aber nicht umsonst heißt es schon im Liede: Werrastrand!

Aus ganz Deutschland kamen Fernsehteams, um blühenden Queller im Mittelgebirge sehen und ihren staunenden Zuschauern zeigen zu können. Das Interesse ging dem Naturschutz fast schon zu weit. Zum Glück hat das ZDF 2010 einen Beitrag wieder aus der Mediathek entfernt, der viel über die unberührte Natur des Werratals gezeigt und verraten hatte:

https://osthessen-news.de/beitrag.php?id=1178839

Wieder einmal war es (2014) die technische Entwicklung, die sich als Feind der Natur entpuppte. Fast wäre die Kali-Industrie gezwungen gewesen, die Einleitung von Abfallsalzen in die Werra aufzugeben, nur weil es die Möglichkeit gab, Kalidünger ohne Salzabstoß zu produzieren . Wir wollen ja nicht technikfeindlich erscheinen, aber: ist das nötig?

Jetzt war ihre Stunde gekommen, Spiderwoman Priska Hinz zögerte keine Sekunde zu lang: mit ihrem „Vierphasenplan“ (auch „Sechzigjahresplan“ genannt) verschaffte sie den verzweifelten Brackwasserkrebsen, -schnecken und -strudelwürmern weitere 60Jahre Sicherheit: bis zur Betriebseinstellung muss die Kali-Industrie die Gewässerqualität der Werra nicht verändern (sie hat immerhin die schlechteste definierte Qualität!) und die Rückstandshalden sichern das Überleben der Brackwasser-Biozynose sogar für weitere 2000 Jahre! Das nennt die Ministerin: „Die Verbesserung der Gewässerqualität der Werra wird sichergestellt“. Genial!

Zwar: bis 2075 sollen die Salzhalden abgedeckt sein und kein Salzwasser mehr an die Werra abgeben. Aber mal ehrlich: kennen Sie jemanden, der solche Halden abdecken könnte? Oder dafür bezahlen möchte? Na also! Alles wird gut.

Nicht gut ist es, dass Priska Hinz für ihren Einsatz leer ausgehen soll. Eine sechzehnjährige Klimaaktivistin hat ihr den Preis vor der Nase weggeschnappt. „Ich brauche dieses Symbol Klimanotstand nicht!“ hatte Priska Hinz uns noch zugerufen.

https://www.fr.de/rhein-main/hessens-umweltministerin-hinz-ich-brauche-diesessymbol-klimanotstand-nicht-12940668.html

Und, an ihre Parteifreunde gewandt: „Es nützt doch nichts, wenn wir den Leuten etwas vormachen.“

https://www.fr.de/politik/koenigstein-hessen-gruene-verschaerfen-ziele-klima-priska-hinz-duepiert-12961320.html

Auch ihr Klima-Graffito kam zu spät, mit dem sie die Stimmung wohl noch zu drehen hoffte:

https://umwelt.hessen.de/presse/pressemitteilung/klimaschutz-gemeinsam-noch-was-drehen

Aber bald werden die richtigen Nobelpreise vergeben. Wir fordern, als Alternative für Priska Hinz, den Literaturnobelpreis in der Kategorie Fake News/Kurzform für ihr Prosawerk „Verbesserung der Gewässerqualität in der Werra wird sichergestellt“.

https://umwelt.hessen.de/presse/pressemitteilung/verbesserung-der-gewaesserqualitaet-der-werra-wird-sichergestellt

Jetzt gilt es!