Entsorgungsnotstand oder Überproduktion?

Die wechselnden Begründungen für Produktionseinschränkungen der K+S-Werke geben immer noch Rätsel auf

von Walter Hölzel

finanztreff.de meldet, dass K+S „wegen schwacher Kalinachfrage“ die Produktion von Kaliumchlorid bis Ende 2019 um „bis zu“ 300.000 Tonnen reduzieren will:

http://www.finanztreff.de/news/kpluss-das-schockt-den-markt-noch-zusaetzlich/17764629

Inzwischen befindet sich die Aktie des Düngemittel- und Salzproduzenten K+S „nach der gestrigen Prognosesenkung weiterhin im freien Fall. Mittlerweile ist der MDAX-Titel auf den niedrigsten Stand seit dem Jahre 2005 gefallen.“

https://www.deraktionaer.de/artikel/aktien/ks-aktie-faellt-auf-tiefsten-stand-seit-2005-was-ist-jetzt-zu-tun-20191515.html

Seit 2015 mussten die K+S-Werke im Werratal regelmäßig ihre Produktion drosseln, damals „wegen der geringen Wasserführung der Werra“. Die Begründung schien nicht gänzlich unplausibel zu sein, weil die steigende Menge an Haldenlaugen und Rückläufe bereits „entsorgter“ Abwässer in die Werra gelangen und deren Aufnahmefähigkeit für Produktionsabwässer einschränken. Andererseits hat die Kali-Industrie auch mit Überproduktionen zu kämpfen und somit auch deshalb Grund genug, die Produktion zu reduzieren.

In dem genannten Zeitraum hatte die K+S AG mit der Fortsetzung der Laugenverpressung und der „Oberweserpipeline“ Genehmigungen beantragt, welche die Umsetzung der EU-Wasserrahmenrichtlinie behindert und gegen das Verschlechterungsverbot verstoßen hätten. Dem Unternehmen ist deshalb vorgeworfen worden, mit einem vorgeschobenen Entsorgungsnotstand politischen Druck ausüben zu wollen.

Besonders unplausibel war der Entsorgungskollaps im Herbst 2015. Einerseits war damals der Markt für Kalidünger wegen weltweiter Überproduktion nahezu vollständig eingebrochen. Andererseits sprachen die Wasserführung der Werra und deren Chloridgehalt sowie die leeren Stapelbecken gegen einen Entsorgungsnotstand im Werrarevier.

www.wasser-in-not.de/dateien/presse/pressemitteilungen/2015-11-24 Werra-Weser-Anrainerkonferenz-PM.pdf

www.wasser-in-not.de/dateien/presse/pressemitteilungen/2015-11-27 Werra-Weser-Anrainerkonferenz-PM.pdf

www.wasser-in-not.de/dateien/presse/pressemitteilungen/2015-11-30 Werra-Weser-Anrainerkonferenz-PM.pdf

www.wasser-in-not.de/dateien/presse/pressemitteilungen/2015-12-04 Gemeinde Gerstungen PM 2.pdf

www.wasser-in-not.de/dateien/presse/pressemitteilungen/2015-12-13 Pressemitteilung der Gemeinde Gerstungen.pdf

Wir empfehlen der K+S AG nach wie vor die Aufbereitung ihrer Abfälle mit moderner Technik. Damit würde die Ausbeute an Wertstoffen erhöht und der Energiebedarf pro Tonne Wertstoff gesenkt. Entsorgungsengpässe wären nicht mehr zu befürchten und in der Werra könnten die Qualitätsziele der EU-Wasserrahmennrichtlinie erreicht werden.