Zurück auf Start – kommt die Oberweserpipeline doch?

Die Verhandlungen der Anrainer mit K+S werden zur Farce

Salzblog 38

Seit Herbst 2017 verhandeln die Rechtsanwälte der Klagegemein­schaft und der Hamelner Erklärung mit der K+S AG. Es geht dar­um, die Belastung von Werra und Weser durch die Abfallsalze der Kali-Industrie zu verringern. Die angebli­chen Pla­nungen des Un­ternehmens werden allerdings immer frag­würdiger (1). Zunächst hatte sich gezeigt, dass K+S keineswegs beabsich­tigt, den Zustand der Werra zu verbessern, vielmehr sollen dort die Grenzwerte wei­ter ausgeschöpft werden (2). Nun scheint die einzige noch ver­blei­bende Maßnahme nicht einmal genehmigungs­f­ähig zu sein. Des­halb ist nicht auszuschließen, dass K+S doch auf die Oberwe­serpipeline setzen will und mit den Verhandlungen nur Zeit ge­winnen möchte.

von Walter Hölzel

Der Scheinfrieden an der Werra

Die K-UTEC AG hatte 2014 eine Verfahrenskombination vorgestellt, mit der eine abstoßfreie Kaliproduktion im Werra-Fuldarevier möglich ist. Sie sieht vor, jährlich 1,1 Mio. Tonnen Wertstoffe aus den Abwässern zu gewinnen und die dann noch verbleibenden Abwässer so stark einzudampfen, dass sie ohne Gefahr für die Bergsicherheit in aufgelassene Bergwerke eingestapelt und somit beseitigt werden können. Dazu sollte ein Salzgehalt der Abwässer von mindestens 450 bis 500 Gramm/Liter notwendig sein.

Die K+S AG hatte diesen Vorschlag abgelehnt (3) und stattdessen geplant, eine Abwasserpipeline an die Ober­weser zu bauen, um so Entsorgungsengpässe an der Werra vermeiden zu können. Wohl wegen des sich hinzie­henden Genehmigungsverfahrens für die Pipeline und wegen des immer brisanter werdenden Ent­sorgungs­notstands an der Werra schien sich bei K+S ein Umdenken an­zubahnen („Umweltfrieden an der Werra“). Ein „Umdenken“ war jeden­falls die Mindestvoraussetzung für die erwähnten Verhandlungen.

Vertreter der K-UTEC AG geben den entscheidenden Hinweis

Die K+S AG lehnt es aber weiterhin ab, ihre Abwässer mit geeigneten Verfahren aufarbeiten und verzichtet damit auf die Gewinnung der Wertstoffe (4). Man hat lediglich die Idee aufgegriffen, eingedickte Ab­wässer in stillgelegte Berg­werke einzustapeln. Nach Auskunft des K-UTEC-Chefs Marx soll dazu die Grube Springen II dienen (5), sein Unternehmen ist mit der Verfahrensentwicklung beauftragt. K+S scheint aber den notwendi­gen Aufwand vermeiden zu wollen, denn die Abwässer sollen nur bis zu einem Salzge­halt von 350 Gramm pro Liter „aufkonzentriert“ werden. Dieser Sparmaßnahme dürfte das Projekt scheitern lassen.

Es ist nämlich bekannt, dass auch konzentrierte Lösungen noch beträchtliche Mengen bestimmter Stoffe auf­nehmen können. Auch eines der von K+S verwendeten Verfahren zur Lösung von Kaliumchlorid aus dem Roh­salz nutzt genau diesen Effekt. Deshalb musste uns ein Hinweis der K-UTEC AG hellhö­rig machen : „die auf­konzentrierten Ab­wässer sind nicht inert gegenüber Kieserit“ (5).

Das bedeutet, dass im Bergwerk Springen II eingestapelte Abwässer das Kieserit (Magnesiumsulfat) aus den Salztypen Hartsalz und Carnallitit herauslösen würden. Damit verliert dann das gesamte Kristallgefüge der Pfeiler und Stöße seine Stabilität. Unlösliche Bestandteile der Salzmischung können nicht mehr zur Sta­bilität beitragen, sie lösen sich aus den Pfeilern, sinken zu Boden und legen weiteres Kieserit frei. So setzt sich das Auf­lösen der Stützpfeiler fort, bis deren Standfestigkeit schließlich nicht mehr ausreicht. Wenn sie ein­stürzen sollten, dann presst der Berg die eingestapelten Abwäs­ser wie­der an die Oberfläche.

Kein Umdenken: K+S vermeidet problemlösende Verfahren…

Kein Umdenken: K+S vermeidet problemlösende Verfahren

Das kann nicht im Interesse der Anrainer sein. Kieserithaltige La­gerstätten wie diejenige in Springen II sind nicht geeignet für das Einstapeln der nach K+S-Vorstellungen behandelten Abwäs­ser. Eine Genehmigung hier­für kann nicht erteilt werden. Wir müssen jetzt feststellen, dass die K+S AG auch nach zwanzigmonati­gen Ver­handlungen noch keinen Vorschlag gemacht hat, der einer Überprüfung standgehalten hätte.

Die WWA hat sich schon im Sommer 2018 aus den Verhandlungen mit der K+S AG zurückgezogen, denn schon damals war für uns offensichtlich, dass die K+S-Vertreter nicht ernsthaft einen Interessensausgleich anstrebten. Dieser Ein­druck hat sich in den letzten zwölf Monaten bestätigt: „Außer Spesen nichts gewesen“. (1)

Anmerkungen

  1. W.Hölzel/WWA, Salzblog 32, Die Werra soll auf der Strecke bleiben, 18.03.2019
  2. W.Hölzel/WWA, Salzblog 36, Klimaschutz durch Werraschutz, 03.06.2019
  3. Marx et al.(K-UTEC AG), Überlegungen zur Aufbereitung der Abstoßlösungen des Werkes Werra, Heringen 21.01.2014
  4. Marx (K-UTEC AG) anlässlich einer Sitzung des Bau- und Umweltausschusses der Stadt Witzenhausen am 14.05.2019