Eine Lösung für die Entsorgungsprobleme des Kaliherstellers K+S war wohl nicht erwünscht

Aktualisiert (15.11.2019): Weitere Kürzung der Produktion, Gewinnwarnung und Kurssturz. Trotzdem ist der Jahresgewinn hoch genug, um die von der K-UTEC AG vorgeschlagenen Anlagen für eine abstoßfreie Produktion komplett bezahlen zu können.

Hundert Jahre Werraversalzung und hundert Jahre Kaliforschung – warum sich die Qualität der versalzenen Gewässer trotzdem nicht verbessert, Teil II

Die K-UTEC AG in Sondershausen. Im HIntergrund der Förderturm des historischen Petersen-Schachts

von Walter Hölzel

Als die Werra-Weser-Anrainerkonferenz 2007 ihre Arbeit aufgenommen hat, da wurde uns und der Öffentlichkeit von K+S-Vertretern versichert, es gebe keine besseren Verfahren als diejenigen, die das Unternehmen für die Aufbereitung der Kalirohsalze bereits verwendet. Es sei nicht möglich, durch andere Verfahren den Salzabstoß der Kalibetriebe zu vermindern. „Da müssten schon die Naturgesetze geändert werden!“ war die Meinung des damaligen Leiters Forschung und Entwicklung der K+S AG, Prof. Stahl (1).

Die Naturgesetze mussten nicht geändert werden, allenfalls hatten die K+S-Chemiker Anlass, ihre Kenntnisse zu erweitern.

Die K-UTEC AG aus Sondershausen ist ein international anerkannter Spezialist für Bergwerks- und Salztechnologie. K-UTEC hatte schon 2012 ein Verfahren für die Aufarbeitung der wertstoffärmsten Abwässer vorgelegt. Es zeigte, dass auch die Haldenlaugen nicht an die Umwelt abgestoßen werden müssen, sondern mit Gewinn aufgearbeitet werden können (2).

Die Ingenieure der K-UTEC AG haben diese Verfahren weiterentwickelt. Sie konnten im Jahre 2013 einen Vorschlag für die Aufarbeitung der K+S-Abwässer und für die Entsorgung der dann noch verbleibenden und nicht verwertbaren Rückstände vorlegen (3), (4). Die Verfahten hätten es der K+S ermöglicht, ihre Produktion in den Werken Werra und Fulda abstoßfrei zu gestalten, also keine Salze mehr an die Umwelt abzugeben. Produktionsstillstände wegen der drohenden Überschreitung von Grenzwerten in der Werra wären Vergangenheit gewesen und das Vertragsverletzungsverfahren der EU-Kommission hätte rechtssicher beendet werden können.

Aber merkwürdig: K+S schien es nicht wahrhaben zu wollen, dass mit einer Investition in neue Aufbereitungstechnik Rechtskonflikte und Produktionsengpässe vermeidbar waren. Das Unternehmen (und seine Gutachter und weiteren Helfer) schienen sich alle Mühe zu geben, den K-UTEC-Vorschlag als technisch/wirtschaftlich nicht machbar und als klimapolitisch unverantwortbar darzustellen (5), (6), (7).

Diese Einwände haben zahlreiche Gegenstimmen veranlasst, aber spätesten mit der Stellungnahme des Umweltbundesamts war klar, dass sie widerlegt und hinfällig waren: eine abstoßfreie Kaliproduktion ist möglich (8), (9), (10), (11).

Die K-UTEC-Verfahren sind Stand der Technik

Was ist nun das Besondere an den Verfahren der K-UTEC AG? Zunächst muss festgehalten werden, dass sie nicht in die laufende Produktion eingreifen. Sie setzen da an, wo für K+S die Verantwortung zu enden scheint: am Abwasserrohr, bevor es in die Werra und in den Untergrund führt. Sie können auch in alten Produktionsanlagen eingesetzt werden. Wichtig ist auch, dass es keine unerprobten Verfahren sind, deren technische und wirtschaftliche Machbarkeit erst ermittelt werden müsste. Alle Verfahren des K-UTEC-Vorschlags werden bereits in der Kali-Industrie eingesetzt. Sie sind deshalb Stand der Technik, nicht nur im Sinne einer „bestverfügbaren Technik“, sondern sogar Sinne der täglichen Praxis. Der Versuch, sie als technisch/wirtschaftlich nicht machbar oder als klimapolitisch untragbar darzustellen, musste schon deshalb scheitern.

Gewinnung von Kaliumsulfat – Ein neues profit center statt Abwasserverklappung

Genau genommen waren es sogar drei Verfahrenskombinationen, die K-UTEC zur freien Auswahl vorgeschlagen hat. Uns hat besonders ein Verfahren überzeugt, dass auch den Sulfatgehalt der Abwässer nutzt und als Endprodukt Kaliumdsulfatdünger (SOP) produziert. Die weitere Entwicklung des Kalimarktes hat gezeigt, dass K+S gut beraten gewesen wäre, diesen Vorschlag aufzugreifen.

Das Verfahren ist überaus lukrativ. Es gewinnt 1,22 Mio. Tonnen Wertstoffe aus 6,8 Mio. Kubikmetern der K+S-Abwässer, davon sind 0,55 Mio. Tonnen Kaliusulfat. Die Summe der Erlöse beträgt 251,5 Mio. Euro und bei Betriebskosten von 150,3 Mio. Euro verbleibt ein jährlicher Betriebsgewinn von 101,3 Mio. Euro (siehe Anmerkung (4), Folien 17 – 22).

Die Investitionskosten werden (je nach Gutachter) mit 500 bis (allerdings weniger plausibel) 800 Mio. Euro angegeben. Das bedeutet, dass sich die Investitionen innerhalb von 5 bis 8 Jahren durch den Verkauf der gewonnenen Wertstoffe amortisieren und für die restliche Laufzeit der Betriebe Gewinne abwerfen. Bei jetzigen Konzerngewinnen von 500 bis 600 Mio. Euro/Jahr könnte die Aufarbeitung der K+S-Abwässer mit einem zusätzlichen Jahresgewinn von 100 Mio. Euro ein wichtiges Standbein für das Unternehmen werden.

Anlagen für die Gewinnung von Kaliumsulfat hat die K-UTEC AG inzwischen international realisiert, z.B. in Australien, gemeinsam mit einem deutschen Anlagenbauer (12).

Die Entwicklung des Kalimarktes bestätigt die K-UTEC-Vorschläge …

„Eine Lösung für die Entsorgungsprobleme des Kaliherstellers K+S war wohl nicht erwünscht“ weiterlesen

Aktuell: Die Einlagerung von Industrieabfällen wird zu einem Dauerrisiko

Bild von Elias Sch. auf Pixabay

In der ehemaligen Kaligrube Teutschenthal hat es eine Explosion gegeben, bei der zwei Arbeiter verletzt wurden.

von Walter Hölzel

In der Grube Teutschenthal wird kein Kalibergbau mehr betrieben, sie dient der Einlagerung von giftigen Industrieabfällen wie Filterstaub und Asche. Diese Abfälle werden aus ganz Europa angeworben. Sie dienen angeblich der Stabilisierung des Bergwerks.

Anwohner haben schon früher beklagt, dass aus dem Abwetterschacht der Grube bei Angersdorf übelriechende Gase (Ammoniak) und Filterstäube ausgeblasen worden seien. Als Folge seien gesundheitliche Probleme wie Kopfschmerz, Übelkeit und Blutungen aufgetreten (1).

Der Ammoniakgeruch könnte darauf hinweisen, dass dort eingelagerte Industrieabfälle mit Wasser in Berührung gekommen sind. Dabei kann auch gasförmiger Wasserstoff entstehen, der mit Luft explosionsfähige Gemische bildet. Die TAZ berichtet, dass auch das zuständige Landesbergamt Wasserstoff als Explosionsursache vermutet (2).

Auch im Werk Werra der K+S AG werden giftige Industrieabfälle aus ganz Europa eingelagert. Auch hier soll der Versatz mit Industrieabfall der Bergsicherheit dienen. So werden aus „Abfällen zur Entsorgung“ dann „Abfälle zur Verwertung“, die mit wesentlich geringeren Umweltauflagen in den Bergwerken deponiert werden können. Ein französisches Verwaltungsgericht hatte allerdings schon 2007 die „Verwertungsfiktion“ angezweifelt und den Export französicher Industrieabfälle für dier „Verwertung“ in deutschen Bergwerken untersagt.

Die K+S AG betreibt in diesem Grubenfeld sogar die weltweit größte Untertagedeponie für „besonders überwachungsbedürftige Abfälle“. Dort hat es 2017 gebrannt, was ebenfalls auf Wasserkontakt zurückgeführt werden könnte.

Alle Grubenteile der hessischen und thüringischen Bergwerke an der Werra sind untereinander verbunden. Es gibt auch offene Verbindungen mit denjenigen Bereichen, in denen K+S Salzabwässer „zwischenlagert“ oder wo Wassereinbrüche stattfinden. Die zuständigen Behörden gehen allerdings davon aus, dass die Verbindungsstollen im Katastrophenfalle abgedichtet wercden können. In der Grube Asse II, dem Endlager für radioaktive Abfälle, ist eine solche Abdichtung offensichtlich nicht gelungen. Dabei hätte es dort wirklich genügend Anlass gegeben, eine eventuell vorhandene sichere Abdichtungstechnik auch anzuwenden.

In der Schweiz ist es nicht erlaubt, Industrieabfälle in Bergwerke einzulagern, denn „jedes Bergwerk wird einmal absaufen“ (3).

Besuchen Sie die Website der „Bürgerinitiative gegen eine Giftmüllregion Halle (Saale) e.V.“ (4).

Anmerkungen:

(1) https://giftmuellregion-halle.de/index.php/home-page/worum-geht-es-hier

(2) https://taz.de/Unglueck-im-frueheren-Kali-Bergwerk/!5639818/

(3)

(4) https://giftmuellregion-halle.de/index.php

Die Umweltministerin sieht sich auf dem richtigen Weg. Aber wohin? Jedenfalls sorgt sie nicht für eine bessere Gewässerqualität.

„Das zeigt, wir sind auf dem richtigen Weg und sorgen für eine bessere Wasserqualität in Werra und Weser.“ Ministerin Hinz im Juni 2019 (1)

„Die Koalition verfolgt das Ziel, die Belas­tung des Grund­wassers und des Oberflä­chenwassers im Naturraum Wer­ra-Weser durch Salzabwässer dauerhaft zu been­den.“ Koalitionsvertrag 2014 (2)

So sieht die Ministerin ihre Arbeit bei der Umsetzung der EU-Wasserrahmenrichtlinie. Aber ihr Selbstlob hat keine sachliche Grundlage.

Massenentwicklung des halophilen Darmtangs Enteromorpha intestinalis in der Werra bei Witzenhausen. Er verstopft im Sommer Wehre und Wasserkraftanlagen. Grund für die Massenentwicklung ist der hohe Kaliumgehalt derWerra, bedingt durch die Abwässer der K+S-Betriebe im Werra- und Fuldarevier.
Copyright U. Braukmann

von Walter Hölzel

Zur Information: Die EU-Wasserrahmenrichtlinie (EU-WRRL) verlangt von den Mitgliedsstaaten, dass sie die Qualität ihrer Gewässer bis spätestens 2027 verbessern. Sie definiert dazu für die Oberflächengewässer fünf Stufen der ökologischen Qualität, von 1 „Sehr gut“ bis 5 „schlecht“ . Sie können durch Untersuchungen des Ökosystems ziemlich gut überprüft werden. Keine Rolle spielen dabei Grenzwerte für bestimmte Stoffe – jedenfalls dann, wenn die Grenzwerte so hoch liegen, dass eine Verbesserung des ökologischen Zustandes nicht zu erwarten ist. Im Falle der Werra haben die hohen Grenzwerte für Chlorid und insbesondere für Kalium und Magnesium zu einer Vernichtung der Süßwasser-Lebensgemeinschaft geführt.

Die Werra und die Weser sind in die schlechteste Stufe nach der EU-WRRL eingeordnet; bis spätestens 2027 soll aber mit dem „guten ökologischen Zustand“ die zweitbeste Qualitätsstufe als Umweltziel erreicht werden. Dieses Ziel strebt die Ministerin mit ihrem „Vierphasenplan“ noch nicht einmal bis 2075 und darüber hinaus an.

Die „schlechte ökologische Qualität“ der Werra als „Zielwert“ der Ministerin

Vor einer „Verbesserung“ im Sinne der EU-WRRL kann man nach einem Urteil des EuGH nur sprechen, wenn der ökologische Zustand eines Gewässers bei mindestens einer Komponente um mindestens eine Stufe angehoben wird. Auch dies kann der „Vierphasenplan“ nicht erreichen. Deshalb kann man der Ministerin nicht folgen, wenn sie angibt, „für eine bessere Wasserqualität in Werra und Weser“ gesorgt zu haben.

Priska Hinz scheinen die Mängel ihrer Argumentation durchaus bewusst zu sein. Gefragt, an welcher Stelle der Werra sich denn die Qualität des Flusses gebessert habe, weicht sie aus (3). Sie muss bekennen, dass sie und die Flussgebietsgemeinschaft Weser (FGG Weser) keine qualitative Verbesserung der Flüsse anstreben, sondern nur noch „Zielwerte“ für bestimmte Schadstoffe.

„Zielwerte“ für Chlorid in mg/Liter nach Angaben der Ministerin und zu erwartende Chloridkonzentrationen in Hann.Münden :

Zeit-
raum
Pegel Gers-
tungen
demnach zu erwartende Chlorid-
konzentration am Messpunkt Blickers-
hausen
jetzt2.3101.200
ab 20211.580800
ab 20271.170600

Aus der Höhe der Grenzwerte lässt sich zweifelsfrei entnehmen, dass die Pläne der Ministerin eine qualitative Verbesserung nicht anstreben; der „gute ökologische Zustand“ eines Gewässers lässt sich nur unterhalb einer Chloridkonzentration von 50 mg/Liter erreichen. Selbst für eine geringfügige Verbesserung müssten Werte von 300 mg/Liter unterschritten werden.

Besonders deutlich wird die Unglaubwürdigkeit der Ministerin, wenn man den besonders kritischen Gehalt an Kalium- und Magnesiumionen betrachtet (wieder in mg/Liter):

Stoff Grenzwert in der
Werra ab 2021
Maximalkonzentration für das
Umweltziel der EU-WRRL
Kalium20020
Magnesium34030

Mit solchen „Zielwerten“ lassen sich die keine qualitativen Verbesserungen und schon gar nicht die Umweltziele der EU-WRRL erreichen. Dazu müssten die Grenzwerte um den Faktor 10 verringert werden. Schweigen wir ganz von der „dauerhaften Beendigung der Belastung durch Salzabwässer“, mit der uns der Koalitionsvertrag in die Irre führen wollte (2). Mit der Verfahrenskombination der K-UTEC AG wäre eine abstoßfreie Produktion und damit auch die in der EU-WRRL vorgeschriebenen Ziele zu erreichen gewesen

Voraussetzungen für abweichende Umweltziele sind nicht erfüllt

Ministerin Hinz sieht sich mit ihrer „Zielwertkonstruktion“ im Einklang mit der Wasserrahmenrichtlinie, weil sie nämlich „abweichende Umweltziele“ darstellten. Das ist ein Irrtum. Die EU-WRRL verwendet zwar auch den Begriff der „abweichenden Umweltziele“, von den ihren Qualitätszielen darf aber nur unter bestimmten Voraussetzungen abgewichen werden. Im Falle der Werra-Weser-Versalzung sind sie nicht erfüllt. So müsste es z.B. grundsätzlich unmöglich sein, in Werra und Weser ein Qualitätsziel der EU-WRRL zu erreichen. Die WWA konnte aber schon 2014 nachweisen, dass es möglich gewesen wäre, in der Werra den „guten ökologischen Zustand“ bis 2027 zu erreichen (4). Das Unternehmen K+S war dazu allerdings nicht bereit und die Beörden haben das Unternehmen nicht dazu verpflichtet.

Andererseits reicht noch nicht einmal eine schlechte wirtschaftliche Situation eines verschmutzenden Unternehmens aus, um abweichende Umweltziele zu rechtfertigen. Wer grundsätzlich nicht in der Lage oder bereit ist, bei seiner Geschäftstätigkeit die Gesetze einzuhalten, der muss die Produktion einstellen.

Zweifelhafte Annahmen zur Effektivität der KKF-Anlage …

„Die Umweltministerin sieht sich auf dem richtigen Weg. Aber wohin? Jedenfalls sorgt sie nicht für eine bessere Gewässerqualität.“ weiterlesen

Hundert Jahre Werraversalzung und hundert Jahre Kaliforschung – warum sich die Qualität der betroffenen Gewässer trotzdem nicht verbessert

Teil I: Die K+S AG hat sich ein Verfahren zur Aufarbeitung der Haldenlaugen entwickeln lassen – wendet es aber nicht an

Die Abwässer der Salzhalden will die K+S AG weder aufarbeiten noch unter Tage einstapeln, sie sollen weiter in den Untergrund versickern und in die Werra eingeleitet werden. Angeblich enthalten sie so wenig Wertstoffe, dass sich ihre Aufarbeitung nicht lohnt. Wir wissen seit 2011, dass das falsch ist.

von Walter Hölzel

Die EU-Wasserrahmenrichtlinie definiert fünf Qualitätsstufen für die Oberflächengewässer: von 1 „sehr gut“ bis 5 „schlecht“. Bis spätestens 2027 soll in den Gewässern der EU-Mitgliedsstaaten die Qualitätsstufe 2 „gut“ erreicht werden. Die Werra ist in die schlechteste Qualitätsstufe eingeordnet. Seit den Zeiten der stärksten Salzbelastung durch DDR-Betriebe hat sich die Qualität des Flusses nicht verbessert.

Von einer „Verbesserung“ spricht man erst dann, wenn die Qualität der Gewässer in mindestens einer Komponente um mindestens eine Stufe angehoben wird (1). Die K+S AG will zwar seit 2009 ca. 800 Mio. Euro in den „Gewässerschutz“ investiert haben, aber es ist nicht zu erkennen, dass damit ein solches Minimalziel bis 2027 erreicht oder auch nur angestrebt worden ist. Der „Vierphasenplan“ der hessischen Umweltministerin schreibt das Minimalziel noch nicht einmal für das Jahr 2075 fest.

Auch die Haldenlaugen können noch Gewinn abwerfen

Der Rückbau der Halden bis zur Betriebseinstellung in ca. 40 Jahren ist wirtschaftlich zumutbar (2). Bis dahin fallen allerdings noch Haldenlaugen an, die weiterhin in die Werra eingeleitet werden sollen. Schon deren Menge würde eine Umsetzung der EU-Wasserrahmenrichtlinie in Werra und Weser unmöglich machen. Aber auch diese Abwässer können noch mit Gewinn aufgearbeitet werden. Es ist nicht nötig, sie versickern zu lassen oder sie in die Werra zu leiten.

Auf Anregung (genauer: hartnäckiges Drängen) des niedersächsischen Landtagsabgeordneten Roland Schminke (SPD) hatte die K+S AG 2010 einen Untersuchungsauftrag an die K-UTEC AG vergeben. Am Beispiel der wertstoffärmsten Abwässer (Haldenlauge aus Neuhof-Ellers, Q-Lauge aus Hattorf) sollte ermittelt werden, ob deren Aufarbeitung und die Gewinnung der enthaltenen Wertstoffe technisch und wirtschaftlich machbar wäre. Das 2011 vorgelegte Ergebnis war möglicherweise – für K+S überraschend – (zu) gut, denn es folgte ein längerer Streit um die Veröffentlichung der Expertise (3). Erst ein Jahr später konnte die Werra-Weser-Anrainerkonferenz (und nur mit Hilfe zahlreicher Unterstützer!) erreichen, dass die K-UTEC AG ihr Gutachten den Mitgliedern des Runden Tisches vorstellen durfte (4).

Schon der Vergleich mit natürlichen Salzwässern, die weltweit zu Kalidünger aufgearbeitet werden, zeigte, dass die Aufarbeitung der „wertstoffärmsten“ Abwässer der K+S AG keine besonderen Schwierigkeiten bereiten würde:

Vergleich des Kaliumchloridgehalts von Haldenlaugen der K+S Kali GmbH im Werratal mit natürlichen Salzwässern, die international zu Kalidünger aufgearbeitet werden:

Herkunft Gehalt an KCl in g/Liter
Haldenlauge K+S24
Totes Meer14-17
Atacama, Chile35
Great Salt Lake, USA8
Sebhat El Melah, Tunesien15
Ram of Kutch, Indien17
Canamac, Peru7
Playa Kho,r Iran6

Der Vergleich zeigt, dass die K+S-Haldenlaugen international eher zu den wertstoffreicheren Wässern als Rohstoffquellen für Kalidünger zählen. Einer Aufarbeitung sollte deshalb nichts im Wege stehen und die K-UTEC AG konnte tatsächlich ein Verfahren erarbeiten (5), (6). Die Mitglieder des Runden Tisches waren beeindruckt und beauftragten den Vorsitzenden des Gremiums, die noch fehlende (oder von K+S zurückgehaltene?) wirtschaftliche Bewertung des Verfahrensvorschlags auf Kosten des Runden Tisches anfertigen zu lassen. Diesen Beschluss hat dessen Vorsitzender allerdings nicht umgesetzt.

Stattdessen hat er sich aufgefordert gesehen, selbst eine Schrift zur Stand der Technik in der Kali-Industrie zu verfassen. Als Autor firmiert die „Leitung des Runden Tisches“ (7).

Die Leitung des Runden Tisches provoziert ungewollt die Lösung für eine abstoßfreie Kaliproduktion….

„Hundert Jahre Werraversalzung und hundert Jahre Kaliforschung – warum sich die Qualität der betroffenen Gewässer trotzdem nicht verbessert“ weiterlesen

Aktuell: „Kaliforschung im Dienste des Umweltschutzes“

Desinformation, Greenwashing, Alternative Fakten und Medienmanipulation

Haldenfuß einer der kleinen K+S-Reststoffhalden, die sich verstreut im Werratal finden. Die Abwässer laufen über den Berghang. Was nicht versickert, gelangt in einen Vorfluter und dann in die Werra. Eine Basisabdeckung ist nicht zu erkennen. Versickernde Haldenlaugen haben im Werrarevier das Grundwasser mit Salzen und Schwermetallen verunreinigt.

Teil VII: Der Verursacher der europaweit schlimmsten Versalzung von Grund- und Oberflächenwasser feiert sich mit Greenwashing.

von Walter Hölzel

Fuldainfo gibt dem Vorstandsvorsitzenden der K+S AG, Burckhardt Lohr, in einem aktuellen Beitrag die Gelegenheit, sein Unternehmen in bestem Licht darzustellen (1). Er sieht es in der Tradition einer hundertjährigen Kaliforschung, mit der es immer effizientere Aufbereitungsverfahren entwickelt habe.

„Wie Zahnräder eines Getriebes greifen die Teilbereiche der Kaliforschung ineinander und liefern gemeinsam wichtige Beiträge für eine umweltverrägliche und nachhaltige Produktion.“

Umweltverträglich?

Das sind große Worte für ein Unternehmen, das für die Versalzung des Grundwassers und der Flüsse Werra und Weser verantwortlich zeichnet.

Aber sehen wir weiter. Besonders die elektrostatische Trennung („ESTA-Verfahren“) scheint es Herrn Lohr angetan zu haben:

„Der besondere Vorteil dieses Verfahrens ist die trockene Aufbereitung der Salze ohne Produktionsabwasser.“

An dieser Aussage stimmt jedes Wort. Allerdings vergißt Herr Lohr zu erwähnen, dass sein Unternehmen für jede Tonne mit dem ESTA-Verfahren gewonnenen Wertstoffs drei Tonnen Salzabfälle auf Rückstandshalden ablagert. Dort entstehen für jede Tonne Wertstoff ca. zehn Kubikmeter Abwässer, die jetzt „Haldenlaugen“ genannt und in die Werra geleitet werden. Sie sind verantwortlich für den schlechten ökologischen und chemischen Zustand der Flüsse Werra und Weser. Versickernde Haldenlaugen haben auch zu einer erheblichen Belastung des Grundwassers mit Schwermetallen geführt. Ohne das ESTA-Verfahren „ohne Produktionsabwasser“ gäbe es diese Abwässer nicht. K+S beabsichtigt nicht, die Versalzung der Werra mit Haldenlaugen zu beenden. Umweltverträglich?

Nachhaltig?

Fassen wir uns kurz: 2012/2014 hat die K-UTEC AG mehrere Verfahren vorgestellt, mit denen im Werrarevier eine abstoßfreie Produktion möglich ist. Es müssen weder Produktions- noch Haldenabwässeran die Umwelt abgestoßen werden. Das verstehen wir unter „abwasserfrei“. Die vorgestellten Verfahren sind deshalb lukrativ, weil K+S, wie die K-UTEC AG betonte, jährlich ca. 500.000 Tonnen Wertstoffe mit einen Wert von 100 Mio. Euro mit seinen Abwässern vernichtet. Nachhaltig?

Was lernen wir?

Zunächst und vor allem, dass auch eine Halbwahrheit nichts anderes ist als eine ganze Unwahrheit.

Wir greifen die Anregung auf und werden demnächst eine Blogserie über die Ergebnisse der hundertjährigen Kaliforschung starten. Vielleicht stellt sich dabei heraus, dass K+S der Entwicklung – zumindest was deren Anwendung angeht – um Jahrzehnte hinterher hinkt.

Anmerkung

(1) Fuldainfo, 28.10.2019, 100 Jahre Kaliforschung – mehr als die Kunst des Kali-Kochens. https://www.fuldainfo.de/100-jahre-kaliforschung-mehr-als-die-kunst-des-kali-kochens/

Die Aufhaldung von Rückständen der Kali-Industrie ist technisch und wirtschaftlich nicht erforderlich, der Rückbau der Halden ist wirtschaftlich zumutbar

Die K+S-Rückstandshalde bei Neuhof-Ellers ist instabil. Sie sehen großflächige Abrutschungen. Das Unternehmen hat uns noch nicht plausibel erklärt, wie es auf derart instabilen Halden langzeitstabile Abdeckungen bauen will. Der neu errichtete Damm am Haldenfuß soll wohl verhindern, dass abrutschende Haldenflanken Betriebsinfrastuktur in Neuhof-Ellers zerstören.

Teil IV – Salz-Reststoffhalden als Ewigkeitslast? Vervielfachung ihrer Schadstofffracht durch „Abdecken“ mit Industrieabfällen, unter dem Vorwand, damit den Anfall von Haldenlaugen zu verringern? Wir wissen, dass dies alles nicht erforderlich ist.

von Walter Hölzel

Wir haben gesehen, dass die kurz- und langfristigen Umweltschäden durch die Salz-Rückstandshalden es erforderlich machen, diese Halden wieder zu beseitigen. Wir haben weiter gesehen, dass wir nicht die Hoffnung haben können, die Schäden seien durch Abdeckung der Halden zu vermindern. Bei der Verwendung von belasteten Abfällen zur Haldenabdeckung müssen wir vielmehr davon ausgehen, dass sich die Umweltschäden vervielfachen werden.

Es ist bekannt, dass die Rückstandshalden des Bergbaus durch Versatz in untertägige Hohlräume beseitigt werden können. Ein Kalibergbau mit Versatz der Reststoffe bietet viele Vorteile. Im Bergwerk Bleicherode werden diese Vorteile ausgeschöpft, indem der Versatz mit dem Rückbau der Stützpfeiler kombiniert wird. So erreicht man

  • eine höhere Extraktionsrate pro Flächeneinheit,
  • eine bessere geomechanische Stabilisierung,
  • die Verlängerung der Lebensdauer von Feldesteilen,
  • eine längere Nutzung der Infrastruktur unter Tage,
  • die Minimierung der Rückstände und
  • eine verbesserte Wetterführung (1).

Die Vorabtrennung unter Tage ist Stand der Technik

Am sinnvollsten ist es allerdings, die Reststoffe gar nicht erst nach über Tage zu bringen, sondern bereits unter Tage abzutrennen und dort sofort zu versetzen.

Diesen Vorschlag hat die K-UTEC AG schon 2008 in ihrem Betriebsplan für die Grube Roßleben gemacht (2). Mit diesem Konzept kann man vermeiden, dass 75% der Gesamtmenge an die Oberfläche verbracht, aufgehaldet und über hunderte von Jahren irgendwie behandelt werden muss – ohne dass es bisher gelingt, die Umweltauswirkungen zu vermindern. Unter Tage dagegen garantieren die versetzten Reststoffe die Bergsicherheit und sie vereinfachen und verbilligen die Bewetterung und die Logistik.

Im Werrarevier eignet sich hierfür die elektrostatische Abtrennung (ESTA-Verfahren), die dort von der K+S Kali GmbH mit inzwischen zwei Anlagen betrieben wird. Wo die elektrostatische Abtrennung möglich ist, da kann sie auch unter Tage angewendet werden. Am so genannten „Runden Tisch Werraversalzung“ hat die WWA vorgeschlagen, eine weitere ESTA-Anlage unter Tage zu errichten. Der damalige Leiter F+E der K+S AG, Stahl, hatte zugestanden, dass der hierfür benötigte Hohlraum von ca. 60 Meter Höhe problemlos errichtet werden könne.

Die K+S AG hat tatsächlich eine weitere ESTA-Anlage gebaut, allerdings nicht unter Tage. Deshalb wird sich das Halden- und das Abwasservolumen verdoppeln. Für die daraus entstehenden Probleme bietet das Unternehmen keine plausible Lösung an.

Der Rückbau der Reststoffhalden ist wirtschaftlich zumutbar

Aus Angaben des Regierungspräsidiums Kassel lassen sich Kosten für den von dem Unternehmen bereits (in kleinem Umfang) betriebene Versatz von Reststoffen entnehmen bzw. errechnen. Sie betragen zwischen 4,40 und 8 Euro pro Tonne (3). Dabei sind die Einsparungsmöglichkeiten für einen in großem Umfang und rationell betriebenenVersatz noch nicht berücksichtigt.

Es ist unbestritten, dass der Versatz der drei Reststoffhalden eine beträchtliche Summe erfordern wird. Er wird allerdings auch Arbeitsplätze im Werrarevier sichern. Wir können auch nicht übersehen, dass K+S allein mit dem untertägigen Betrieb der ESTA-Anlage die Hälfte der Rückbaukosten hätte einsparen können. Das Unternehmen war nicht gezwungen, seine Abfälle über Tage abzulagern und dies gegen jede bessere Einsicht fortzusetzen. Das Verursacherprinzip verlangt, dass die K+S AG die angerichteten Schäden durch Rückbau der Halden auf eigene Kosten beseitigt. Die Aufarbeitung der Abwässer mit dem K-UTEC-Verfahren (2014), die einen Jahresgewinn von mindestens 100 Mio. Euro erwarten lässt, könnte den Rückbau der Halden im Werra-Fuldatal finanzieren und immer noch Gewinn abwerfen.

Wir empfehlen deshalb, die abstoßfreie Kaliproduktion nach K-UTEC (2014) mit dem Rückbau der Salzhalden zu verbinden.

Anmerkungen

(1) Marx et al., Überlegungen zur abstoßreduzierten bzw. abstoßfreien Produktion von Salzen, Kassel 18.09.2012 https://ia601508.us.archive.org/24/items/kutecrtseptember2012/K-UTEC%20RT%20September%202012.pdf , Folie 24

(2) K-UTEC AG, Betriebsplan des Florett-Konsortiums für die Grube Roßleben, Sondershausen 2008

(3) RP Kassel, Pilotprojekt Werra-Salzabwasser, Endbericht Januar 2007, S. 33 https://ia601509.us.archive.org/29/items/pilotprojektwerrasalzabwasserendbericht/Pilotprojekt%20Werra-Salzabwasser%20Endbericht.pdf

Die Besatzung der Titanic hofft auf eine technische Lösung, die es unnötig macht, dem Eisberg auszuweichen

Und: In Hessen taugen die Grundsätze der Umweltpolitik auch dazu, mit verdorbener Wurstmasse umzugehen.

Ein verzinkter Laternenpfahl ca. 1,5 km von der K+S-Salzhalde bei Heringen entfernt. Die rostige Seite ist der Halde zugewandt, sie zeigt die Einflüsse der Salzverwehungen. Inzwischen sind die verzinkten Laternenpfähle durch Aluminiumpfähle ersetzt worden.

Teil III – Hessen: Weitreichende Zugeständnisse, Greenwashing und fiktive Problemlösungen. Die Salzhalden sollen auf das doppelte Volumen anwachsen, die Flüsse und das Grundwasser bleiben auf der Strecke. Die Umweltministerin verspricht uns Süßwasser.

von Walter Hölzel

Wir haben kürzlich erfahren, dass die bündnisgrüne Landtagsfraktion in Hannover den Rückbau der dortigen Salzhalden fordert. Sie lehnt auch die Neuanlage von Rückstandshalden ab, weil sie nicht dem Stand der Technik entspricht (1). Es sei möglich und sinnvoll, diese Altlasten der Kali-Industrie gar nicht erst entstehen zu lassen. Diese Position vertritt die Werra-Weser-Anrainerkonferenz seit Jahren.

In Hessen sind die Verhältnisse ganz anders. Die Umweltministerin Priska Hinz (B’96/Die Grünen) hat sich mit ihrem Vierphasenplan aus dem Jahre 2014 nicht nur mit der Verpressung von Abfalllaugen in den Untergrund und deren Einleitung in die Werra einverstanden erklärt, sondern auch mit der Verdoppelung der Rückstandshalden. Deren Abwässer, die sich dann ebenfalls verdoppeln werden, verhindern, dass in der Werra und in der Oberweser die Umweltziele der EU-Wasserrahmenrichtlinie auch nur im Ansatz erreicht werden können. Die Abhilfe? Die Lösung der Probleme wird mit fiktiven Vorschlägen auf die Zukunft verschoben, offene Widersprüche verleugnet.

Druckmittel

Das mit dem Vierphasenplan akzeptierte Entsorgungskonzept der K+S Kali GmbH hatte allerdings schon früh mit Schwierigkeiten zu kämpfen. Es mag die billigste Möglichkeit für die Betriebe im Werratal darstellen, sich ihrer Abwässer zu entledigen, aber es hat entscheidende Nachteile. Aus dem Untergrund steigen verpresste Abwässer wieder an die Oberfläche und von den Halden dringen Abwässer direkt in den Boden und in die Vorfluter. Sie gelangen als „diffuse Einträge“ schließlich in die Werra und können deren Aufnahmefähigkeit für Produktionsabwässer einschränken. Das hat seit 2015 regelmäßig zu angeblichen Entsorgungsnotständen geführt, die Produktionseinschränkungen nötig gemacht haben sollen (2).

Die Notstandsfiktion schien allerdings von Beginn an nicht sehr überzeugend zu sein. Zum Zeitpunkt der ersten Betriebsdrosselung im Jahre 2015 war nämlich der Salzgehalt der Werra gering (3), der Wasserstand der Werra hoch (4) und die Stapelbecken keineswegs gefüllt (5).

Damals gab es aber weltweite Absatzschwierigkeiten für Kalidünger, weil in den Vorjahren die Produktion massiv ausgeweitet worden war. Man hat vermutet, dass die K+S AG die Absatzschwierigkeiten nutzen wollte, um ohne Risiko politischen Druck auszuüben (6), (7), (8). Das Unternehmen hatte nämlich die Erlaubnis zur Fortsetzung der Laugenverpressung beantragt und musste befürchten, diese Erlaubnis nicht zu erhalten. Die hessischen und thüringischen Fachbehörden hatten gewarnt, dass sich das Grund- und Trinkwasser weiter verschlechtern würde.

Retter in der Not

Auch in den folgenden Jahren bis 2018 klagte das Internehmen über angeblich notwendig gewordene Drosselungen der Produktion. Die K+S AG schien aber immer noch keinen Anlass zu sehen, den Abstoß von Salzlaugen zu verringern, indem es in wirkungsvolle Aufbereitungstechnik investiert. Die 2018 von K+S in Betrieb genommene KKF-Anlage war offenbar ungeeignet – auch 2018 gab es wieder einen „Notstand“.

Schließlich haben die Standortländer Thüringen und Hessen dem Unternehmen Auswege angeboten. Das Land Thüringen will der K+S AG erlauben, ihre Produktionsabwässer in der Grube Springen II „einzustapeln“, also dauerhaft einzulagern. Die Abwässer sollen zuvor in geringem Umfang „aufkonzentriert“ werden, um die Gefahr zu vermindern, dass die Stützpfeiler aufgelöst werden. Es sind allerdings nicht Löseprozesse, welche die Bergsicherheit gefährden, sondern chemische Reaktionen des Wasseranteils mit Bestandteilen der Lagerstätte (9), (10).

Das Land Hessen hat der K+S AG sogar erlaubt, nicht vorbehandelte Abwässer „temporär“ in Salzstollen einzulagern. Das hatten die hessischen Behörden bislang aus Sicherheitsgründen ausgeschlossen (11).

Die unvermeidlichen Folgen werden wieder einmal die Anrainer in Hessen und Thüringen zu tragen haben.

Die fortgesetzte Belastung der Flüsse wird verschwiegen und grün gewaschen…

„Die Besatzung der Titanic hofft auf eine technische Lösung, die es unnötig macht, dem Eisberg auszuweichen“ weiterlesen

Viel Staub aufgewirbelt

Wie geht man mit den Rückstandshalden der Kali-Industrie um?

Verwehung von Salzstäuben an einer Kali-Reststoffhalde

Teil II – Niedersachsen aktuell – Die Bestrebungen der Kali-Industrie, ihre Rückstandshalden zu erweitern, neue Halden anzulegen und bestehende Halden als Deponiefläche für belastete Industrieabfälle zu verwenden, haben viel Staub aufgewirbelt. Betroffene Anrainer und Verbände in Niedersachsen haben sich im September zum „Aktionskreis Kali und Salz“ zusammen geschlossen.

von Walter Hölzel

Der Aktionskreis fordert, die Produktion so umzustellen, dass keine Rückstandshalden mehr angelegt, die Salzaufhaldung eingestellt und die bestehenden Halden durch Versatz beseitigt werden (1), (2).

Keinesfalls sollen die bestehenden Halden benutzt werden können, um unter dem Vorwand ihrer „Abdeckung“ als Deponieflächen zur Entsorgung von Industrieabfällen benutzt zu werden.

Bei der Produktion sollen die Umweltziele der EU-Wasserrahmenrichtlinie erreicht und bei bestehenden Schäden das Verursacherprinzip angewendet werden. Boden und Gewässer sind auf Kosten des Verursachers zu sanieren.

Der Aktionskreis Kali und Salz weist darauf hin, dass die Rückstandshalden in Deutschland zu Unrecht nach dem Bergrecht mit seinen minimalen Anforderungen an Nachhaltigkeit und Umweltschutz genehmigt werden. Da es sich um Endprodukte von chemischen Umsetzungen handelt, müsse das Deponierecht angewendet werden.

Die WWA e.V. unterstützt die Forderungen des Aktionskreises

Die Werra-Weser-Anrainerkonferenz ist darüber hinaus der Ansicht, dass schon das Wasserhaushaltsgesetz in Verbindung mit einem Urteil des EuGH die Ablagerung von Salzrückständen ausschließt (3), (4).

Die Forderungen des Aktionskreises würden das Aus bedeuten für eine Kali-Industrie mit maximaler Inanspruchnahme der Umweltressourcen. Sie wären aber nicht das Ende der Kaliproduktion. Sie würden vielmehr die Möglichkeit eröffnen, in moderne und wirksame Verfahren für eine abstoßfreie Produktion zu investieren. Die Aufarbeitung der Abwässer nach K-UTEC (2012-2014) würde die Gewinnung zusätzlicher Wertstoffe ermöglichen.

Umwelt- und Klimaschutz lassen sich gemeinsam erreichen

Jede Tonne der zusätzlich gewonnenen Wertstoffe würde die Förderung und Aufarbeitung von vier Tonnen Rohsalz unnötig machen. Die abstoßfreie Produktion schont nicht nur die Umwelt, sie erhöht auch die Produktivität und vermindert den Energiebedarf pro Tonne Wertstoff.

Kali-Fusion hat mindestens 1,15 Mrd. Euro gekostet – was gibt K+S zurück?

Für die umstrittene Fusion der ost- und westdeutschen Kali-Industrie Anfang der 1990er Jahre haben allein die Treuhandanstalt und ihre Nachfolgegesellschaft mehr als 1,15 Milliarden Euro ausgegeben. Das geht aus einer Antwort des Bundesfinanzministeriums auf eine Anfrage der Bundestagsfraktion der Linken hervor, die der Deutschen Presse-Agentur vorliegt. Von der Summe entfielen danach mehr als 111 Millionen Euro auf Umweltschäden aus der Vergangenheit. Es handele sich bei dem Gesamtbetrag nicht ausschließlich um Zahlungen, die an die Kali und Salz GmbH beziehungsweise die K+S AG (Kassel) geleistet wurden, teilte die parlamentarische Staatssekretärin Bettina Hagedorn mit. Über eine Gesamtübersicht aller Mittel des Bundes und der Treuhandanstalt beziehungsweise ihrer Nachfolgerin verfüge die Bundesregierung nicht, heißt es in der Antwort.(5)

Das Geld ist aufgewendet worden für die Abwicklung der mitteldeutschen Kali-Industrie und – wenn auch „nicht ausschließlich“ – für die Förderung der K+S AG. Das Unternehmen hat deshalb in Deutschland keine nennenswerten Konkurrenten mehr. Die Sanierung von Umweltschäden wurde dem Unternehmen nicht zugemutet, das ist staatliche Aufgabe.

Eine moderne Kaliproduktion ist natürlich nicht zum Nulltarif zu haben. Aber die aufzuwendenden 800 Mio. Euro würden sich schon innerhalb von 8 Jahren amortisieren. Danach rechnet K-UTEC mit einem Jahresgewinn von 100 Mio. Euro, nur aus der Aufbereitung der Abwässer im Werratal. So viel Verantwortlichkeit sollte man der K+S AG schon zumuten dürfen.

Anmerkungen…

„Viel Staub aufgewirbelt“ weiterlesen